München in Zeiten der Aufklärung

Münchner Stadtrundfahrt

im Jahre 1838

Im Reiseführer "Acht Tage in München" (1. Auflage 1838) wird folgende Stadbesichtigung empfohlen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Stahlstich v. W. Pobuda n. R. Gross,                                                                                                                            Text: Aus dem Altdeutsch leich angepasst

um 1840                                                                                                                                                                                an den aktuellen Sprachgebrauch 

Um einen Totaleindruck einer fremden Stadt in sich aufzunehmen ... ist es einem jeden Reisenden zu raten eine Fahrt durch ihre Hauptstraßen und Plätze zu machen. ... Dies kostet mit einem Fiaker 1 Gulden (fl.) die Stunde. Da die Tour lang ist, so wird man gut daran tun, zeitig sich auf den Weg zu machen.

Unser Büchlein in der Hand, wird man über alles Sehenswerte, das sich auf dem Wege befindet, leicht Auskunft erhalten....

Schrannenplatz

Zum Verkauf des Getreides sind in München eigene Märkte, Schrannen genannt, wovon der

Platz seinen Namen hat. Jede Woche am Sonnabend wird ein solcher hier gehalten, wobei

der Fremde das rege Treiben und bunte Gewühl unsere Landleute in ihren verschiedenen

Trachten mit Vergnügen ansehen wird. ... In der Mitte steht die Mariensäule von Kurfürst-

lichen Maximilian l. ... Am Fuße der zwanzig Fuß hohen Säule aus rotem Marmor stehen vier

Engel, die eben so vier Tiere bekämpfen .... eine Natter, ein Basilisk, ein wilder Löwe und ein

Drache unter welchen verstanden werden die Übel eines Landes: anstreckende Luft und

Krankheiten, Hungersnot, Krieg und Ketzerei... Unter den Privatgebäuden an dem Schrannen-

platz zeichnet sich das ganz mit Kupfer gedeckte massiv gebaute Hans des Bierbrauerei-

Besitzers Pschorr aus. Der Fischbrunnen, welcher deshalb Beachtung verdient, weil hier

die Metzgerlehrjungen einem alten Herkommen zur Folge am Fastnachtsmontag ihren

„Sprung" halten befindet sich vor dem Regierungsgebäude

Das (Anmerkung: Alte) Rathaus mit dem Turm, ist ein unregelmäßiges Gebände ohne Fasade oder sonstigen Schmuck.... Der heilige Onuphrius... an der Außenseite eines Hauses... werden als Wahrzeichen betrachtet. Rings um den Schrannenplatz laufen nach Art italienischer Städte, Hallen oder Bögen. Unter einem Teile derselben befinden sich eine Menge Kauf- und Krämerläden. Das eigentliche Palais royal von München dem Bedürfnisse nach, wenn gleich nicht so elegant wie das Pariser. Auf diesem Platz befinden sich ... eine Menge Kaffeehäuser, hier so genannt obwohl sie eigentlich mehr Speise- und Bierhäuser sind. Sie sind nicht sehr besucht außer zur Mittagszeit, wo von 12 bis 14 Uhr, und in den Abend-stunden, wo bis 23 Uhr a la Carte gespeist und Billard gespielt wird. 

Wir wenden uns jetzt, und fahren an der Hauptwache vor, wo zwei Kanonen ausgestellt sind, vorüber zur Kaufingerstraße, die schön und  breit, fast in gerader Linie sich bis zum Karlstor erstreckt. Ihr oberer Teil wird die Neuhausergasse genannt. Hier bemerken wir zuerst links: die königliche Porzellan-Niederlage, dann rechts ... durch zwei Gässchen eine Seitenansicht der Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau (=Frauenkirche), weiter die Mauthalle und die Hofkirche zum Hl. Michael, nebst dem daran angrenzenden Universitätsgebäude, das vormals das Jesuiten-Kollegium war. ... Herzog Wilhelm V. hat am 18. April 1583 zu derselben den Grundstein gelegt. ...zwischen den Portalen steht der Erzengel Michael in Bronze ...

Stachus

Unsere Fahrt durch das Karlstor fortsetzend befinden wir uns in einem Halbrund freundlicher Häuser, die von

einer Seite den Karlsplatz einschließen. Die Kirche, die wir erblicken ist die protestantische Pfarrkirche. Sie

besteht ans einer Rotunde hinter der sich ein hoher, viereckiger Turm erhebt. .... Indem wir rechts weiterfahren,

übersehen wir den Maxplatz, an dem sich links das Portal des botanischen Gartens anschließt. ...  

Auf dem Maxplatz (=Maximilianplatz) werden die .... Jahrmärkte gehalten, deren München zwei hat (Anmerkung: die Vorstadt Au hat ebenfalls zwei Dulten), die eine Drei Königs Dult im Winter, die andere Jakobi Dult im Sommer. Der Platz mit den Buden und Sehenswürdigkeiten aller Art nimmt dann besonders zur Abendzeit den Charakter eines belebten Boulevards an und gewährt einen interessanten Spaziergang.

 

Wir fahren nunmehr wieder in die innere Stadt hinein, indem wir rechts die Herzog Max-Burg (Anmerkung:  jetzt die Winter-Residenz Ihrer königl. Majestät) liegen lassen und befinden uns auf dem Promenadeplatze, der mit Bäumen besetzt und zwar nicht von ausgezeichneten, aber doch freundlichen Gebäuden umgeben ist. .... Wir wenden uns links in die Promenadestraße und sehen hier zuerst ... ein stattliches "Hotel", einer geschlossenen Gesellschaft gehörig, worin jeder gebildete Fremde sich einführen lassen kann, und einen Monat hindurch freien Eintritt genießt. Das große "Hotel" unweit davon, ist die Residenz des Erzbischofs. Im Umbiegen ist uns ein Blick in die breite Prangerstraße vergönnt. wo wir vor allem das Ständehaus erwähnen über dessen Balkon eine Muttergottesstatue angebracht ist. 

 

Wir kommen zur griechischen, ehemaligen Salvators-Kirche, die sehr alt ist und einem seltsam gestalteten Turm hat. Der Bogen, durch den wir nunmehr fahren, hieß sonst der Kuhbogen. Wir wenden uns links, und haben in der Theatinergasse sogleich den imposanten Anblick der Hofkirche zum heiligen Cajetan oder auch Theatinerkirche genannt. .... Sie hat eine schöne Kuppel und zwei Türme. .... Ihr erstes Modell blieb, durch den Tod der Stifterin Kurfürstin Adelheid unausgeführt, sonst würde diese Kirche die meisten ähnlichen Bauwerke Deutschlands unstreitig übertroffen haben.

Fahrt zum Karolinen- und Königsplatz

Wir biegen um die Ecke und haben die Briennerstraße vor uns, welche sich in die Allee nach Nymphenburg verliert.

Gleich rechts sehen wir den Wittelsbacherplatz von den "Hotels" des Grafen Arco, Geheimerat von Klenze, des

englischen Gesandten und der Seitenfasade des Odeon eingeschlossen. Diesen Platz wird in Kurzem die kolossale

Reiterstatue Maximilians I. aus Erz... zieren. Die Fahrt gewährt uns links die Eisicht auf den großen Maxplatz, den

wir schon kennengelernt haben und wir erblicken mehrere sehr schöne Gebäude, zum Teil im Geschmack italien-

ischer Villen mit eingehegten Blumen parterres vor den Türen, bis wir zum Karolinenplatz gelangen. in dessen

Mitte sich der an 100 Fuß hohe Obelisk zum Gedächtnis der in Russland gebliebenen 30,000 Bayern, aus Erz ge-

gossen, erhebt. In den schönen Gebäuden, die  diesen Platz umgeben wohnen: die Gesandten von Russland und Österreich, der k. Staatsminister Graf von Montgelas, und der Graf von Törring. Indem wir immer weiter die Briennerstraße verfolgen

sehen wir uns mit einem Male auf einem schönen freien Platz. von hohen Gebüschen umgeben, in deren

Mitte ein antiker Tempel prangt. Dies ist der Königsplatz, mit der Glyptothek. König Ludwig l. ließ diesen

Bau schon als Kronprinz auf eigene Kosten beginnen und ausführen. Im Jahre 1816 wurde der Grundstein

gelegt. Plan und Ausführung sind vom Geheimenrat Herrn von Klenze. .... Der Glyptothek gegenüber sieht

man bereits die Basilika des Hl. Bonifatius sich erheben . deren Ausführung dem Herrn Professor

Gärtner übertragen worden ist. Von hier erreicht unser Auge die erste  Bäume der Allee, die zu dem

königlichen Lustschlosse Nymphenburg führt.

Fahrt über Pinakothek zur Ludwigstraße

Unser Vorsatz ist aber in München zu bleiben und wir fahren daher an zwei isoliert stehenden

Häusern vorüber der Pinakothek zu. ... Die Pinakothek stellt sich uns als eines der imposantesten

und  herrlichsten Bauwerke dar, welche die neuere Zeit entstehen sah. Entwurf und Leitung gehören

dem Geheimenrat Herrn v. Klenze an. ...  Unter der Seitenfasade dieses Prachtgebäudes liegt eine

große Kaserne für die zwei hier garnisonierenden Infanterie Regimenter. Wir fahren an ihr vorbei, 

durch die Theresienstraße, um in die schönste Straße Münchens zu gelangen, in die Ludwigstraße.

Die Ludwigstraße

Am  Eingang derselben bemerken wir mehrere noch im Bau begriffene Werke. nach deren Beendigung

ein halbrunder Platz und ein Triumphtor (=Siegestor) von dieser Seite eine prachtvolle Avenue zur

Hauptstadt bilden wird. Zuerst wenden wir uns zur Ludwigskirche. .... Die Leitung des Baues ist dem

Herrn Professor Gärtner übertragen, der auch den Entwurf zu derselben gemacht hat. Die Ludwigs-

kirche hat zwei Türme und drei Tore hinter einer Vorhalle; die Hauptfassade ist ganz aus weißen

Kalksteinquadern konstruiert; die herrlichen Bildsäulen dieser Fassade. .... Neben der Kirche steht 

das neue Hof- und Zentral-Bibliothek-Gebäude nebst dem Reichsarchiv, ebenfalls von Herrn

Professor Gärtner im byzantinischen Stiel erbaut. Dieses Gebäude ist ganz aus  Backsteinen gebaut;

doch ist die Anfertigung derselben mit solcher Kunst und Sorgfalt geschehen, dass  das geringe

Material völlig umgebildet erscheint. .... Auf dem Platz der Bibliothek gegenüber steht das Blinden-

Institut, ebenfalls durch Herrn Gärtner erbaut. ... Außer diesen der Ludwigstraße zu hohem Schmucke

dienenden Gebäuden sind  noch mehrere andere prachtvolle Bauwerke im Werden begriffen. Jenseits der Ludwigskirche wird nämlich auf Befehl Seiner Majestät des Königs, für die Universität ein neues ihren Bedürfnissen genügendes Lokale errichtet. ....

Der Odeonsplatz mit dem Hofgarten

Indem wir nun die Ludwigstraße verfolgen, halten wir auf dem Odeons-Platz. Das lange Gebäude

zur Linken ist der Bazar (Anmerkung: beinhaltet heute Geschäfte und Lokale von der Schumann's

Bar zum Tambosi). Eine Reihe von Läden bildet das Erdgeschoß; der obere Stock ist für Wohnungen

bestimmt. An den beiden Flügeln befinden sich besuchte Kaffeehäuser. Auf der Rückseite dieses

Gebäudes nach dem Hofgarten sind die Arcaden al Fresco gemalt, ... An den Bazar schließt sich

ein schönes Tor in Gestalt eines Triumphbogens, das in den Hofgarten führt. Daran vorbei

gelangen wir in die Residenzstraße.

Wir wenden uns nun nach dem Hofgarten, den wir in den Stunden von 11 bis 13 bei schönem Wetter mit Spaziergängern belebt finden....

Die vier großen Bassins mit Springbrunnen, und der schöne Brunnen an den Arcaden sind erst von König Ludwig l. angelegt worden. Die Statuen von Bronze auf der Rotunde (= Dianentempel) in der Mitte des Gartens ist  nach Candids Zeichnung. Während des Sommers spielen im Hofgarten Mittwochs von 6 -7 Uhr die Militärmusiken aller hier garnisonierenden Regimenter. wobei sich viele schöne Welt einfindet.

 

Dem Bazar gegenüber stehen zwei dem Äußern nach ganz gleiche Gebäude. Das rechts

gelegene ist das Palais Seiner  Hoh. des Herzogs von Leuchterberg (= heute das Bayr. 

Finanzministerium). Das links befindliche ist das königl. Odeon für Bällen und Konzerte

(= heute Bayr. Innenministerium) bestimmt. Auf diesem Platz soll ein großer Brunnen

errichtet werden dessen Bassins Bildhauerwerke schmücken werden. Mehrere hiesige

Künstler haben bereits Entwürfe und schöne Modelle ... angefertigt.


Die Königliche Residenz

Das alte, links gelegene, großartige Gebäude mit der Wache davor und mit den hohen

Portalen von Marmor und den Figuren von Bronze ist die königl. Residenz. Sie wurde

im Jahre 1616 von Maximilian I. ...  zu erbauen angefangen. Sie hat ein Erdgeschoß und

zwei Stockwerke. An den Toren halten Löwen mit Wappen. ... Der Platz, der sich nun vor

unseren Blicken eröffnet, ist der Max-Josephs-Platz. Das Gebäude, welches sich an die

alte, königliche Residenz lehnt ist der, nach dem Vorbilde des Palastes Pitti in Florenz,

durch Herrn von Klenze neuerbaute Flügel, welcher den Namen: Königsbau führt. ...

In diesem Königsbau, ist die eigentlichen Privatwohnung des Königs und seiner Familie,

die durch jeden Fremde, meistens jedoch nur zur Zeit, da sich die allerhöchsten Herrschaften

an der Tafel befinden (Nachmittags um 16 Uhr) besichtigt werden darf. Man wendet sich zu

diesem Gesuche an Herrn Burgverwalter Fischer... 

 

Alles an diesem Gebäude atmet Größe und  gediegene Pracht. Es ist durchaus nichts als das edelste Material verwendet worden und innere wie äußere Ausschmückung durchaus nicht nach den Begriffen eines flüchtigen Modegeschmackes veranstaltet. ....

 

Die östliche Seite des Platzes nimmt das prächtige königliche Hoftheater ein. Es ist nach dem am 14. Januar 1823 statt gefundenen Brand ganz nach dem ursprünglichen Plane des früheren Baumeisters ... wieder aufgeführt worden. Bereits am 2. Januar 1825 konnte es wieder eröffnet werden. ...

Von dessen Dach aus genießt man eine schöne Aussicht über die Stadt. Das kleinere Gebäude das durch einen Schwibbogen mit dem Theater verbunden wird, ist das ehemalige Residenztheater, worum der Baufälligkeit wegen, nicht mehr gespielt wird. Die früher bestandene italienische Oper gab hier ihre Vorstellungen. Das Hans verdient gesehen zu werden; es zeigt eine barocke Pracht in der Ausschmückung aus den Zeiten Ludwigs XIV....

 

In der Mitte des Platzes erhebt sich  die Statue des Königs Maximilians Josephs l. . .... Der König ist -.. im Krönungsornate auf dem Throne sitzend, dargestellt. ...

 

Der alte, verfallene Turm, den wir im Hintergrund am Eingang der schmutzigen Gasse erblicken, ist der sogenannte Falkenturm, ein Staatsgefängnis. An der Münze vorüber führt uns der Weg durch ein Tor in den Alten Hof. Dieser ist die älteste, jetzt noch bestehende Residenz bayerischer Herzöge. ...

 

... Durch die alte, stille Burggasse fahren wir jetzt unter dem Turm des Rathauses hindurch nach der langen Straße: Tal genannt, die zu dem erst seit Kurzem neuentstandenen Isartor     führt. Die drei Türme dieses Tores standen lange als Ruinen und dem Einsturz drohend da bis Seine Majestät König Ludwig I. den Beschluss faßte, es in der gegenwärtigen Art ausbauen zu lassen. Es sieht der Einfahrt in eine mittelalterliche Burg ähnlich und ist  mit Freskomalereien ... ausgeschmückt. Die Hauptfront zeigt den Einzug Kaiser Ludwigs des Baiern in München ... Zum Tore hinausgetreten, befinden wir uns in der gewerbstätigen Isar-Vorstadt. die nach der Au, Giesing und Haidhausen führt und daher sehr belebt ist.

 

(Am ehemaligen Theater am Isartor und)... an der Kürassier-Kaserne vorbei, erreichen wir nun bald die schöneIsarbrücke, die sich in zwei Abteilungen über die beiden Arme der Isar wölbt. ... Am jenseitigen Ufer der Isar erblicken wir zur Rechten die Vorstadt Au, und weiterhin Giesing  mit dem Strafarbeitshaus; zur Linken den Gasteig mit Haidhausen. Links im Flusse liegt der Prater, eine kleine Insel, worauf ein besuchtes Wirtshaus. Gegen Süden dehnt sich  die majestätische Alpenkette vor unsern Blicken aus ....

 

Wir fahren durch die Au, sehen die im Bau begriffene Pfarrkirche ... und fahren dann über die Reichenbacherbrücke wieder in die Frauenhoferftraße der Isarvorstadt. Nun geht's durch die Müllerstraße, zumSendlingertor, am Angertor vorbei. Beide Tore sind (noch ganz in ihrer alten Gestalt geblieben) und  bilden gegen die Neuheit und  Eleganz der andern Stadtteile einen ausfallenden, wenn gleich nicht unangenehmen Kontrast. Das Gebäude, das am Angertor in halbrunder Form über die Stadtmauer blickt ist die Frohnveste. ... Vor dem Sendlingertor liegt auf- einem freien Platz das allgemeine Krankenhaus. Es trägt die Infchrift: 

 

.... Nun nimmt uns die Sendlingerstraße auf. Welch' ein Kontrast zwischen dieser und der Ludwigstraße! Hier haben vorzugsweise die Landleute ihre Absteigequartiere und die Bewohner der Sendlingerstraße sind deshalb mit jenen Bedürfnissen reichlich versehen, die den Wünschen dieser Gäste entsprechen. Die Läden enthalten daher viel Nützliches und  für den Haushalt und die Wirtschaft Brauchbares, aber keine eigentlichen Luxusgegenstände. Viele Wirte, Köche, Bräuer, Bäcker u. f. w. wohnen in dieser Straße. Die Sendlingerstraße führt uns in die Rosenstraße und durch diese gelangen wir auf den Schrannenplatz  von welchem wir unsere Exkursion am Morgen begonnen haben. ...

 

Später Nachmittag 

 

Jetzt tut es Not wieder einen Fiaker zu nehmen, um eine Exkursion in den Englischen Garten zu machen. Wir fahren an der Hofgartenkaserne wieder vorüber. durch das Tor unter der ehemaligen Bildergalerie durch. und kommen so in den herrlichen Englischen Garten welcher eine Länge von beinahe 1,5 Stunden hat und überhaupt 695 bayerische Tage-werke umfaßt. Viele Fahrwege und Fußsteige ziehen sich den Garten hinab und überall findet man angenehme Ruhepunkte, schöne Ansichten, herrliche Baumgruppen, rauschendes Wasser, kühlen Schatten und sonnige Rasenplätze. Gleich am Eingange des Gartens links am Fahrwege befindlich das Palais Seiner Königl. Hoheit des Prinzen  Carl. (Anmerkung: Prinz Carl erhielt das Gebäude von seinem Bruder Ludwig I. geschenkt; Erbaut wurde das Palais 1804-1806 als Wohnhaus von Pierre de Salabert, dem Erzieher des späteren König Max I. Joseph, der dieses später erwarb. Heute ist es der Amtssitz des Bayerischen Ministerpräsidenten und wird für Repräsentationszwecke genutzt)

 

Die im Jahre 1810 errichtete Königlich Central-Veterinär-Schule ist hier gelegen. Wir fahren über die Brücke. und ein anmutig schattiger Weg führt uns nach dem Chinesischen-Turm. Das alte. hölzerne Gebäude in der Mitte des Platzes ... rechtfertigt den Namen hinlänglich. Von diesem Turm öffnet sich eine angenehme Aussicht. Noch schöner ist jedoch die Aussicht  von dem nicht weit davon gelegenen. auf einem Berg erbaut. ganz neuerlich vollendeten Monopterus aus zu nennen. Gleich wie Mittwochs im Hofgarten, so finden in der Nähe des Chinesischen Turms Sonnabends die Militärmusiken statt; doch ist die Reunion hier viel glänzender und von schönen und reichen Equipagen 

(= Ausstattung und Aufmachung als Ganzes, das den Status anzeigt)

belebt. Von dem Turm nördlich breitet sich ein See aus, welchen der Hofgarten-Intendant Herr von Sckell im Jahre 1812 anlegen ließ. Das Monument am nördlichen Ufer. .... wurde ihm zu Ehren errichtet. Der Englische Garten tritt dort eine Brücke mit den Anlagen von Bieberstein in Verbindung. Dies ist  ein freundliches Schlösschen mit einer künstlichen und geschmackvollen Gartenanlage. Ihrer Maj. der verwittweten Königin gehörig. (Anmerkung: Schloss Biederstein bestand aus dem Alten und dem Neuen Schloss; Das Neue Schloss, wurde 1934 abgerissen und das Alte Schloss wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört. Von 1951 bis 1955 wurde an ihrer Stelle eine Studenten-Wohnheim errichtet, das lange als "letzte Kommune" Münchens galt und in der während der 68er-Bewegung auch Uschi Obermaier wohnte. Seit 1966 findet hier der legendäre Biedersteiner Fasching statt) ... 

 

Dicht an der westlichen Begrenzung des Englischen Gartens liegt das uralte Dorf Schwabing mit seinem 

grünen Kirchturm. Es befindet sich hier ein stark besuchtes Kaffeehaus. ...

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