1846 kam die irischen Hochstaplerin Eliza Gilbert nach München, die sich als spanische Tänzerin Maria de los Dolores Porrys y Montez, oder kurz Lola Montez, von adliger Geburt aus Sevilla ausgab.

 

Nach Dresden, Berlin, Warschau, alles Stationen, die sie nach einem Skandal verließ und zwei Jahren in der Pariser Halbwelt, stieg sie im Bayerischen Hof ab und bewarb sich als Tänzerin am Königlichen Münchener Hoftheater. Da man sie dort nicht auftreten ließ, beschwerte sie sich bei König Ludwig I. und erhielt die Möglichkeit zu einem Gastspiel. 

 

Ludwig I. war sofort von ihren hübschen Zügen, feurigen Augen, ihrer erotischen Ausstrahlung und ihrem südlichen leidenschaft-lichen Temperament angetan. Ludwig "entbrannte wie eine Flamme", so dass er auch gleich ein Porträt von ihr malen und dieses in die Schönheitengalerie im Schloss Nymphenburg hängen ließ. Neben Lola hängen dort viele weitere Schönheiten (final waren es 36 Portraits), die Ludwig alle mehr oder weniger gut kannte.

 

Die 26-Jährige Montez wurde die Geliebte des 60-jährigen König Ludwigs. Anfänglich residierte Sie noch im Gasthof Goldenen Hirschen in der Theatinergasse und erhielt später ein luxuriöse Palais in der Barer Straße 7, einen Adelstitel (Gräfin von Landsfeld), eine großzügige finanzielle Unterstützung, sowie allabendliche Besuche vom König. Sie durfte die Vorstellungen im Hoftheater in einer Privatlounge genießen, bekam einen Diener gestellt und wurde mit Schmuck und kostbaren Pelze beschenkt.

 

Lola Montez war bei den Münchnern äußerst unbeliebt. Nicht nur, weil Ludwig sie mit Geld überhäufte (bis zum Ende des Verhältnisses, 1850 sollen es fast 160.000 Gulden, also etwa 2,3 Millionen Euro gewesen sein), sondern weil sie es liebte, Skandale zu provozieren. Sie empfing Studenten, mit denen ihr Liebschaften nachgesagt wurden, und andere Herren, die sich alle erhofften, dass sie sich für ihre Belange beim König einsetzte. Sie flanierte Zigarre rauchend mit ihrer Riesendogge Turk durch Münchens Straßen und schlug mit einer Peitsche nach zu aufdringlichen Männern oder bedrohte eine aufgebrachte Menge mit der Pistole.

 

Einmal kam es vor der Feldherrnhalle zu Handgreiflichkeiten mit Studenten, so dass sie in die Theatinerkirche flüchten musste. König Ludwig I. ließ daraufhin erbost die Uni schließen, was wiederum heftige Proteste der Münchner nach sich zog. Die Universität wurde einen Tag später schon wieder geöffnet und die "Gräfin Landsfeld" musste samt Dogge die Stadt binnen weniger Stunden verlassen.

 

Selbst nach ihrer Flucht war der Unwille des Volkes gegen den liebestrunkenen König noch so groß, dass im März 1848 das Zeughaus gestürmt wurde und mit den dort gelagerten Waffen die Residenz gestürmt werden sollte, was nur in letzter Sekunde verhindern werden konnte.

 

Die Liebschaft mit Lola Montez kostete Ludwig schließlich das Amt. Die königliche Familie, die Minister und die konservativen Kreise stellten sich schließlich gegen Ludwig und zwangen ihn seine zwischenzeitlich aus der Verbannung wieder zurückgekehrte Freundin per Fahndungsaufruf polizeilich suchen zu lassen.

 

Lola Montez lebte nach Ihrer Flucht ein Jahr in der Schweiz, kehrte dann nach London zurück, wo sie wegen wegen Bigamie angeklagt wurde und über Paris in die USA floh. 1852 trat sie am Broadway in New York als "Lola Montez in Bavaria" auf, einem Stück, in dem sie sich selbst spielte. Sie tourte damit durch San Francisco und Australien, lebte eine Zeit lang in einer kalifornischen Goldgräberstadt, wo sie Schönheitsratgeber schrieb, bevor sie, mit noch nicht mal 40 Jahren, 1861 in NYC an einer Lungenentzündung verstarb.

 

 

Elizabeth Rosanna Gilbert, alias

Maria de los Dolores Porrys y Montez, kurz Lola Montez

(* 1821 in Irland; † 1861 in New York)

Abbildung: Lola Montez mit Peitsche und Riesendogge Turk dargestellt von Munichkindl (2016), darunter Portät aus der Schönheitsgalerie im Schloss Nymphenburg von Joseph Karl Stieler (1847), daneben Photographie um 1853

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