Stadtgeschichte München - Sitemap -  Literatur - Datenschutz © 2014-2018 by Munichkindl, München

Die Schichtls waren als deutsche Schaustellerfamilie bereits 1758 aktiv. Das "Variete Zauber Geister Theater" von Michael August Schichtl, das er anfänglich mit seinen Brüdern Franz August und Julius gemeinsam führte, war 1869 zum erstenmal auf der Wiesn. Michael August Schichtl war für seine legendären Paraden bekannt, bei denen er selbst die Varietenummern frech und mit Witz präsentierte. Das damalige Repertoire umfasste klassische Zaubernummern, Illusionen, Geistererscheinungen, Schmetterlings- Tänze und Pantomimen, Entfesselungskünstler, Jongleure, sowie artistische Darbietungen, von Trapez-, Hochrad- und anderen Akrobaten. Schon ab 1872 war der Höhepunkt seiner Vorstellung die Illusion, einen Besucher mittels Guillotine auf der Bühne enthaupten zu lassen. Schon damals gab es den legendären Schlachtruf "Auf geht's bei Schichtl!".

Die Münchner nannten Michael August Schichtl liebevoll „Papa Schichtl“, weil er seine Künstler und Artisten in der Winterpause nicht wie all die andere Schaubudenbesitzer kündigte, sondern sie in seinem Winterquartier in Sendling versorgte.

Nach dem Tod von Michael August Schichtl, übernahm sein Ziehsohn Johann Eichelsdörfer das Varieté. 1954 folgte ihm seine Frau Franziska.

 

Seit 1985 hat der Schauer Mani den Betrieb des Schichtl-Theaters übernommen und   steht in alter Tradition selbst als Rekommandeur und Einpeitscher auf der Bühne, um die Besucher in seine Show zu locken. Früher hatte der Schichtl pro Tag lediglich zwei bis drei Vorstellungen von je zwei Stunden Dauer. In den Sechzigerjahren waren es 35, heute sind es um die 25 Vorstellungen täglich - was in 16 Tagen pro Wiesn also etwa 400 Vorstellungen pro Jahr ausmacht.

Während der Schichtl zu Beginn als internationales Provinztheater durch die Lande tourte und auf vielen Volksfesten und Märkten in ganz Süd- und Mitteldeutschland auftrat, ist heute das weltweit-bekannte  Wiesn-Variete nur noch einmal im Jahr auf dem Oktoberfest zu sehen.

Die Hinrichtung beim Schichtl gehört zur Wiesn wie das Bier.

 

Der Schichtl - Michael August Schichtl

(* 1851; † 1911)

Abbildung: Postkarte von Michael August Schichtl ungeschminkt und geschminkt (Fotograph unbekannt); Gemälde von Josef Widmann von Schichtl mit Tambourmajor-Stopsel (Entstehungsjahr unbekannt), sowie Schichtl-Gemälde 2015, von Munichkindl