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Timofej Wassiljewitsch Prochorow hatte während des Krieges eine Marien-Erscheinung, die ihm auftrug in den Westen zu gehen und dort eine Kirche zu erbauen. Sein Weg führte ihn von Russland nach Warschau und Krakau, weiter nach Prag über Wien, Graz und schließlich nach München. 1952 ließ er sich mit seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Natascha am Oberwiesenfeld (dem heutigen Olympiapark - direkt beim Sommer-Tollwood Gelände) nieder und baute dort aus Kriegsschutt ein kleines Haus und eine ebenso kleine Kirche. Sie sammelten Holz in den Schuttbergen und die Kirchendecke verkleideten sie mit Schokoladenpapier. Zwei Jahre nach der Fertigstellung seiner kleinen Kirche hatte Timofeij an einem nebligen Herbstmorgen wieder eine Erscheinung - diesmal sprach der Erzengel Michael direkt vor seinem Häuschen zu ihm. Am selben Tag begann Timofej mit seiner Frau den Bau einer kleinen Kapelle, die später Erzengel-Michael Kappelle genannt wurde.

 

Die städtischen Behörden tolerierten jahrzehntelang die illegal erbauten Gebäude. Problematisch war nur, dass Ende der sechziger Jahre entschieden wurde, dass das Olympiastadion und die weiteren Sportstätten direkt dort am Oberwiesenfeld erbaut werden sollten. Für die Olympischen Sommerspiele 1972 störte Timofej samt seiner Frau und sollte daher verwiesen werden. Nach massiven Protesten der Münchner durften sie schließlich bleiben und das Olympiagelände wurde weiter nach Norden verlagert. 

 

Im Alter von achtzig Jahren verstarb 1978 Natascha und Timofej verbrachte ein Vierteljahrhundert alleine als „Olympia-Eremit“, „Methusalem vom Oberwiesenfeld“ oder einfach als "Väterchen Timofej" auf der Bank in seinem Garten. Timofej wurde schließlich mit 110 Jahren sogar zum ältesten Münchner und verstarb erst 2004 im Altenheim am Don-Pedro-Platz.

 

Mittlerweile gilt seine selbsterbaute Ost-West-Friedenskirche als eine der speziellen Sehenswürdigkeiten Münchens. Die kleine Friedenskirche ist weder katholisch noch orthodox, sondern einfach christlich, zur Vereinigung aller Christen gedacht. Während den Olympischen-Spielen kamen täglich Tausende von Menschen, um seine Kirche zu sehen. Mittlerweile ist der Andrang deutlich geringer, doch auch heute noch kann man das Gelände besuchen. Neben der Kirche und Kapelle kann man ein kleines Museum und den alten Garten besichtigen, den Väterchen Timofej jahrzehntelang bewirtschaftet hatte.

Väterchen Timofej - Тимофей Васильевич Прохоров

* 22. Januar 1894 in Bagajewskaja am Don; † 13. Juli 2004 in München

"Ich und Natascha haben nur eine symbolische Kirche gebaut, sozusagen ein Meilenstein auf dem Weg zur tatsächlichen Vereinigung im christlichen Bewusstsein. Der wahre Glaube ist nicht im Stein der Mauern, sondern im Herzen eines jeden Menschen. Die Menschen müssen in sich "eine Kirche bauen", Timofej

Abbildungen: Timofej dargestellt von Munichkindl, sowie frühe Schwarz-Weiß-Fotos, Photograph unbekann