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Im Auftrag von Kronprinz Ludwig I. wurde die Bavaria als Kolossalstatue vor der Ruhmeshalle bei der Wiesn errichtet. Die Bavaria ist die weltliche Patronin Bayerns, im Gegensatz zur Maria Muttergottes, die als kirchliche "Patrona Bavariae" und damit als Schutzherrin Bayerns fungiert. 

 

Ludwig, der alles Griechische vergötterte und auch deshalb unser über tausendjähriges Baiern mit seinem Y-Dekret belegte, wollte aus München ein "Isar-Athen" machen. 1834 beauftragte er Leo von Klenze mit dem Bau eines patriotischen Denkmals - also der Ruhmeshalle mit der Bronzestatue Bavaria.

Klenzes ursprüngliche Bavaria, deren erster Entwurf bereits 1824 erstellt wurde, war stark an griechischen Vorbildern ausgerichtet. Die Bavaria des Erstentwurfes war eine griechische Amazone mit hochge-schnürten Sandalen und einem kleinen Löwe, eher ein Stubentiger, der zu ihren Füßen lag. Ungewöhnlich auch die viergesichtige Herme, also ein Pfeiler mit aufgesetztem Kopf, dessen vier Gesichter die Kunst und Wissenschaft, sowie die Staats- und Kriegsführung darstellen. Nach der Beauftragung wurde die Bavaria gar zur "Athena Promachos" abgewandelt, einer mit Helm, Schild und erhobem Speer dargestellten Schutzgöttin (als Kopie der zerstörten, antiken Statue an der Akropolis).

1837 verpflichtete Ludwig I. neben Klenze auch den Bildhauer Ludwig Schwanthaler und die Erzgießer Johann Baptist Stiglmaier mit dessen Neffen Ferdinand von Miller.

Schwanthalers Bavaria-Entwürfe wurden weniger griechisch und entfernten sich zusehends von dem antiken Vorbild Klenzes. Die Bavaria wurde germanisch und heute trägt sie ein Bärenfell über dem bodenlangen Kleid, im langen Haar hat man ihr einen Eichenkranz gesteckt und auch die strengen Gesichtszüge wurden mädchenhafter.

Nachdem 1840 Gipsmodelle der Bavaria in Originalgröße und viele kleinere Hilfsmodelle angefertigt waren, wurde 1843 das originalgroße Modell in vier Teilbereiche (Kopf, Brust, Hüften sowie Fußbereich mit Löwen) zerlegt. 1844 konnte dann mit dem Bronzeguss der Bavaria begonnen werden. Ferdinand von Miller übernahm von seinem Onkel Stiglmaier, der kurz darauf verstarb, 1844 die Gesamtleitung.

Am 9. Oktober 1850, rechtzeitig zum Oktoberfest, wurde die Bavaria in einem festlichen Akt enthüllt.

Seitdem thront sie mit ihren 18,5 Metern und 87 Tonnen schwer über der Wiesn auf der Schwanthalerhöh'.

Die Entwicklung unserer Bavaria

1840 finaler Bavaria-Entwurf von Schwanthaler; Bavaria-Abbildungen dargestellt vom Munichkindl 2016; darunter erster Bavaria-Entwurf von Klenzes

1824 Erster Entwurf von Klenzes

Bavaria als griechische Amazone

1834 Zweiter Entwurf

Bavaria als griech. Schutzgöttin

1838 / 39 Entwürfe von Schwanthaler

Germanisierte Bavaria mit Bärenfell, Eichenkranz und Schwert

Abbildungen: Gemälde "Bavaria und Theresienwiese" von Rudolf Epp um 1900, daneben Photographien der Bavaria vor ihrer Aufstellung um 1850 aufgenommen an der Erzgießerei in der damaligen Feldstraße (jetzt Erzgießereistraße nahe des Stiglmaierplatzes).