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Um 1285 wurde Wilhelm wahrscheinlich in einem kleinen Dorf namens Ockham in der Grafschaft Surrey im Südwesten von London geboren. Als etwa Fünfzehnjähriger trat er dem Franziskanerorden bei. Von 1310 bis etwa 1317 war er an der Oxford University eingeschrieben. Danach begann er dort auch seine akademische Laufbahn. 1321 zieht er um nach London und hält dort Vorlesungen zu Physik des Philosophen Aristoteles. Im Jahre 1323 wird Wilhelm von Ockham wegen Lehrabweichung, Ketzerei und einer Irrlehre in 56 Punkten beim Päpstlichen Hof in Avignon angeklagt. Im darauffolgenden Jahr beordert ihn deshalb Papst Johannes XXII. nach Avignon und nach langwieriger Prüfung erfolgte schließlich die Anklageerhebung in immerhin 51 der 56 Klagepunkte. 1328 eskalierte der Streit zwischen dem skrupellosen, im Luxus lebenden Papst und Wilhelm, der nunmehr als Wortführer einer kleinen Gruppe innerhalb der Franziskaner auftrat, die für eine unbedingte Besitzlosigkeit der Kirche kämpften.

Der Prozessbeginn ließ immer noch auf sich warten, als Wilhelm sich zur Flucht aus Avignon Richtung Italien entschied. In Pisa begegnet er dem bayerischen König Ludwig IV. der seinerzeit ebenfalls im Streit mit dem machtgierigen Papst lag. 

 

Ludwig zog auf einem Schimmel in Rom ein und ließ sich am 17. Januar 1328 in der Peterskirche  von Adligen (und nicht vom französischen Papst) „im Namen des Volkes“ zum Kaiser krönen. Dieser Akt der Kaiserkrönung sah der Papst natürlich als bodenlose Unverschämtheit an, die er nicht tolerieren konnte.

Wilhelm von Ockham

(* um 1285 in England; † 9. April 1347 in München)

Abbildung (oben): Wilhelm von Ockham, Skizze aus der 1341 angefertigten Handschrift der Summa logicae; Abbildung (unten); Wilhelm von Ockham trägt ein paar seiner Schriften, dargestellt von Munichkindl

Ockham diente übrigens auch als Vorlage für die Figur des Franziskanermönches William von Baskerville in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose".
 

Wilhelm von Ockham, sowie Marsilius von Padua und etliche andere gebildete Franziskaner, folgten Ludwig um 1330 in die Kaiserliche Residenzstadt zu München, wo sie sich an der Hofakademie niederließen.

 

Der Papst blieb zeitlebens († 1334 in Avignon) verbissen im Streit gegen Ludwig. Er sprach ihm seine Kaiserwürde ab, belegte ihn mit einem Kirchenbann und exkommunizierte alle, die er zu seinen Unterstützern zählte. Ludwig und Wilhelm sahen das relativ gelassen und bezeichneten den in Saus und Braus lebenden Papst in Avignon wiederum als Ketzer.

 

Wilhelm von Ockham war maßgeblich am Aufbau Münchens zum geistigen und kulturellen Zentrum Europas beteiligt. In seinen Münchner Schriften vertrat Wilhelm die "via moderna", die eine Trennung von Glauben und Wissen, als auch von Kirche und Staat fordert. Wilhelm wurde in München zu einem der berühmtesten mittelalterlichen Philosophen und Theologen. Am Alten Hof entstanden damals umfangreiche philosophische Werke zur Logik und Ethik, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, sowie zu Metaphysik und politischen Philosophie. Ockham schrieb fast zweihundert Jahre vor Luther, dass jeder einzelne letztendlich nur Gott gegenüber verantwortlich ist.

 

Als Wilhelm von Ockham 1347 verstarb, verging mit ihm eine einzigartigen Münchner Epoche.