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Unter Ludwig IV. wird München Residenzstadt

1315 bis 1350 n. Chr.

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Ludwigs IV., der als Kind von einem Affen auf das Dach des Alten Hofs entführt wurde, wird 1314 in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt und zieht im darauffolgenden Jahr feierlich in München ein. Damit wird München erstmals Residenzstadt des römisch-deutschen Reichs, in der Ludwig anfangs als König und später als Kaiser über viele Jahre residierte.

 

Kaiser Ludwigs IV., der Baier (*1281 in München; †1347 durch einen Schlaganfall auf der Bärenjagd bei Fürstenfeldbruck), wertet die Stadt deutlich auf und verleiht München 1340 n. Chr. das große Stadtrecht und damit auch das Recht, im ganzen Herzogtum Baiern Leute gefangen zu nehmen und vor dem Stadtgericht zu verurteilen. Neben der politischen Bedeutung des Alten Hofs, wurde München auch ein bedeutendes religiöses Zentrum, da das Münchner Franziskaner-Kloster als Hauptsitz des Ordens genutzt wurde.

 

München entwickelte sich unter Ludwig der Bayer zu einem Sammelpunkt der wissenschaftlichen und geistlichen Opposition gegen den Papst in Avignon. Kaiser Ludwig hatte seine Hofakademie gegründet, der Wilhelm von Ockham und viele Gelehrte aus England, Frankreich und Italien angehörten. Doch auch das Franziskanerkloster, das 1294 an der Stelle der heutigen Oper und somit in direkter Nachbarschaft der herzoglichen Residenz stand, spielte damals eine zentrale Rolle.

 

Der bayerische Landeshistoriker Sigmund von Riezler hat die Regierungszeit Ludwigs des Bayern als einzigartige Epoche der Stadt München beschrieben: "In zehn bis zwanzig Jahren ist damals von diesem Dutzend Fremder im Münchener Barfüßerkloster und der Herzogsburg wahrscheinlich mehr theorisiert, gegrübelt und geschrieben worden als von allen Tausenden biederer Münchner, die seit Gründung der Stadt gelebt haben – ganze Generationen von Nachfahren noch eingeschlossen."

 

Anfang des vierzehnten Jahrhunderts gab es einige große Brände. In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1327 bricht im Angerviertel ein Brand aus, der eine Feuersbrunst verursacht und dem fast ein Drittel Münchens zum Opfer fällt. U.a. werden auch St. Peter, ein Teil der herzoglichen Burg und das Heiliggeist-Spital zerstört. Das Problematische an den damaligen Häuser war, dass sie meist aus Balken und Brettern gezimmert und lediglich mit Lehm verputzt waren. Die Dächer waren mit Holzschindeln oder noch mit Stroh gedeckt und es wurde bei offenem Feuer gekocht und geheizt. 

 

Der verheerende Brand hatte dennoch zwei positive Folgen: Erstens befahl Kaiser Ludwig dem Stadtrat, dass zukünftig alle Häuser nicht mehr aus Holz, sondern "womöglich" aus Stein und mit Ziegeln gedeckt sein sollten. Zweitens wurde dem Magistrate die baupolizeiliche Funktion übertragen, sodass fortan alle Baupläne zur Begutachtung eingereicht werden mussten.

 

Ludwigs wollte München stets verschönern und bestimmte, dass neue Straßen breiter angelegt wurden. Auch ordnete er an, dass alle "lärmenden und übelriechenden" Gewerbe von der inneren Stadt hinaus in eigens dafür angelegte Straßen übersiedeln mußten (Schäfflergasse, Färbergraben, Lederergasse etc.). Die Mezger mussten ihre Schlachtbänke auf dem Schrannenplatz räumen und wurden unterhalb des Petersbergl (gegenüber vom Heiliggeist-Spital) angesiedelt. So verwandelte sich das dorfmäßige Aussehen Münchens langsam zum Besseren.

 

Auch die Stadterweiterung ging auf Ludwig der Bayer zurück. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts wird München mit dem zweiten Mauerring versehen. Das Karlstor (1302 erbaut), das Graggenauer-Tor (Kosttor / 1324 erwähnt) und das Isartor, als "porta nova" - dem Tor, der zweiten Stadtmauer, wird von 1327 bis 1337 erbaut. Stolz tritt dort der Torwärter Brettschleifer seinen Dienst an und bezieht seinen Posten.

 

Mitte des 14. Jahrhunderts ist München mit 273 Tagwerk sechsmal so groß wie einst die Heinrichtstadt zu Zeiten Heinrich des Löwen. Damals leben bereits etwa 10.000 Einwohner in München, wovon ca. 400 Geistliche und Pfründner sind, sowie etwa 400, die dem Hofadel zuzurechnen bzw. als Hofbeamte tätig sind.

 

Kaiser Ludwig wollte nach seinem Tod in der Münchner Augustinerkirche (dem heutigen Deutschen Jagd- und Fischereimuseum - in dem Wolperdinger ausgestellt sind) bestattet werden. Da er jedoch im päpstlichen Kirchenbann gestorben war, ließ der Prior des Augustinerklosters kurzerhand die Kirchentore vernageln, so dass der Trauerzug weiter zur kleinen Vorgängerkirche des Doms ziehen musste, um ihn dort beizusetzen.

Bildnachweis: Ludwig der Bayer mit seiner nach unten gebogenen Nase und seiner blond-rötlichen Lockenpracht, die mit zunehmenden Alter wegen massiven Haarausfall deutlich dahinschwand

 

Oben: gestaltet vom Munichkindl (2014),

 

Darunter: Denkmal am Kaiser-Ludwig-Platz in der Isarvorstadt nahe der Theresienwiese;

 

Unten links: Farbdruck (1888) in "Die deutschen Kaiser" K. Thienemann’s Verlag,

 

Unten Mitte: Ölgemälde frühes 19. Jahrhundert (unbekannt);

 

Unten rechts: Fresko am Isartor: "Triumphzug Ludwigs des Bayern" von Bernhard von Neher (1835)

 

Anfänge Münchens