Carl Spitzweg stammte aus gutem Hause. Sein Vater war ein reicher Germeringer Kolonialwaren- und Gewürzhändler und seine Mutter stammte aus einer Münchner Großhändlerfamilie für Obst und Gemüse. Carl wuchs mit seinen zwei Brüdern in München auf und hatte eine behütete Kindheit. Als Elfjähriger ging Carl in die Münchner Studienanstalt und absolvierte zwei Vorbereitungsklassen Latein und zwei Progymnasialklassen mit mäßigem Erfolg. Im Anschluss besuchte er das heutige Wilhelmsgymnasium, das er jedoch nach zwei Jahren, 1824, im Alter von Sechzehn, abbrach.

Carls älterer Bruder sollte das elterliche Geschäft übernehmen und sein jüngerer Bruder sollte Arzt werden. Für Carl hatte sein Vater entschieden, dass er den Beruf des Apothekers erlernen sollte und so kam es, dass er die Ausbildung in der Münchner Hofapotheke bei Dr. Franz Pettenkofer, dem Patenonkel von Max Pettenkofer, antrat. In der Königlichen Hofapotheke lernte Carl Spitzweg vier Jahre lang. Er drehte Pillen, mixte Rezepturen, rührte Pasten an, strich Pflaster und beschriftete Gläser und Medikamentenschachteln.

Schon in seiner Kindheit zeichnete Carl ausgiebig und gerne. Während seiner Apothekerlehre lernt er dann mit Ölfarben zu malen. Von der Königlichen Hofapotheke wechseln er als Provisor in die Straubinger Löwenapotheke, wo er seine Freizeit oftmals mit Künstlern, Theaterschaffenden und Malern verbrachte.

Als 22jähriger beginnt er an der Münchner Uni mit dem Studium der Pharmazie, Botanik und Chemie, das er innerhalb von zwei Jahren mit Auszeichnung abschloss und damit auch die offizielle Approbation als Apotheker erhielt. Nach Studiumabschluss reiste er von März bis Juni über die Alpen nach Italien.

 

Carl Spitzweg arbeite nach dem Urlaub noch einige Monate als Erdinger Stadtapotheker, bevor er seine lukrative Berufslaufsbahn 1833 endgültig abbrach, noch bevor sie richtig begann.

Die Entscheidung, hauptberuflich als Maler anzufangen, traf Spitzweg nach einer Krankheit und einem damit verbundenen Kuraufenthalt am Fuße des Peißenbergs. Die Grundsatzentscheidung gegen den Apothekerberuf und für die Malerei wird ihm durch die Auszahlung seines Erbanteiles (sowohl sein Vater, als auch sein älterer Bruder waren verstorben) erleichtert.

Carl Spitzweg hatte nie eine Kunstakademie besucht, sondern brachte sich das Malen als Autodidakt selbst bei. 1835 trat er als noch völlig erfolgloser Quereinsteiger dem Münchner Kunstverein bei.

Carl Spitzweg

(* 1808 in Unterpfaffenhofen bei München-Germering; † 23. September 1885 in München) 

Im Alter von 77 Jahren verstarb Carl Spitzweg zuhause in seinem Lesesessel.

Abbildung (oben): Car Spitzweg zeichnet die dritte Fassung vom 'Armen Poeten' um1838, dargestellt von Munichkindl,

Abbildung (unten): Selbstporträt von Car Spitzweg (Ölporträt um 1840), und Photographie von Spitzweg um 1860

1836 brach die Cholera in München aus, so dass er aus der Stadt für einige Monate ins Berchtesgadener und Salzburger Land flüchtete.

 

Der Beruf des Kunstmalers machte ihm große Freude und sein in der Apothekerausbildung gewonnenes chemisches Wissen wußte Spitzweg in der Herstellung von Ölfarben gekonnt einzusetzen. Kein anderer Maler der damaligen Zeit hatte derart hell leuchtende Blautöne und keiner hatte Farben mit solch dauerhafter Qualität im Einsatz.

 

1836 entsteht die erste, frühe Ölskizze des „Armen Poeten“, sein wohl bekannteste Werk, das er aber erst 1839 mit drei Fassungen vollendete, von denen die zweite Version heute in der Neuen Pinakothek hängt.

 

Spitzweg ist Spätromantiker. Zu Beginn war sein Malstil noch dem Biedermeier sehr nahe, während er später deutlich näher an den Impressionis-mus heranrückte. 

Spitzweg malte gerne Menschen aus dem bürgerlichen Milieu, also den Nachbar von nebenan. Oft stellte er den biedermeierlichen Kleinbürger als kauzigen Sonderling dar. Der kurzsichtige Bibliothekar, der Kaktusliebhaber, der Schmetterlingsjäger, die strickenden Wachposten oder der Zeitungsleser im Hausgärtchen sind alle etwas schrullige, aber irgendwie liebenswerte Menschen von nebenan. Seine Gemälde beschäftigen sich allesamt mit dem Idyll der "guten alte Zeit".

 

Auf seinen Studienreisen nach Salzburg, Innsbruck, Bozen und Meran, Venedig und Dalmatien bringt er stets neue Anregungen, als auch eine dicke Mappe mit Skizzen mit nach Hause. Regelmäßige Wanderungen in Bayern, am Bodensee, in Nord- und Südtirol, als auch in Franken und Schwaben nutzte Spitzweg für Naturstudien. Ab 1844 arbeitete Spitzweg für die Zeitschrift die "Fliegenden Blätter", in der viele seiner humorvollen Zeichnungen und Karikaturen erschienen, die aber selbst heute noch weitgehend unbekannt sind. 1851 besucht Spitzweg Paris, reiste im Anschluss weiter zur Londoner Weltausstellung im Hyde Park und nach Antwerpen.

1858 zieht er von der Dienergasse 9 um in die Neuhausergasse. Ab 1860 zieht er nochmals um und lebte zurückgezogen in einer Wohnung im vierten Stock am Heumarkt 3 (heute St. Jakobs-Platz). 

Erst in den 1860er Jahren stellen sich schön langsam der erste Erfolge ein. 1865 erhält Spitzweg einen bayerischen Orden, zwei Jahre später auf der Pariser Weltausstellung (1867) werden vier seiner Gemälde ausgestellt und im darauffolgenden Jahre wird er Ehrenmitglied der Münchner Akademie der bildenden Künste. Von 1835 bis 1885 schuf Spitzweg über 1.500 Bilder und Zeichnungen, von denen er jedoch nur gute vierhundert Stück an Personen aus dem Münchner Bürgertum bzw. an den Adel verkaufen konnte. Erst im Alter von Sechzig werden seine Gemälde bekannt und verstärkt nachgefragt, Zu wirklich großer Popularität gelangen Spitzwegs Gemälde jedoch erst nach seinem Tode, ab etwa 1920 und dann nochmals 1950, nach dem zweiten Weltkrieg.

Spitzweg war sein ganzes Leben ein schrulliger, aber liebenswerter Junggeselle, ähnlich den  Charakteren, die er malte. Er redete sehr langsam, eher umständlich, aber stets mit heiterem Witz und er setzte seine Mimik gekonnt ein, insbesondere dann, wenn er sich über andere lustig machte.

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