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München in Zeiten der Aufklärung

Superminister Montgelas übernimmt die eigentliche Regentschaft 

1799 bis 1838 n. Chr.

Der kleine Max von Montgelas (* 1759 in München; † 1838 ebenda) verbrachte seine frühe Kindheit in München, aber auch viel bei seiner Oma in Freising. Mit acht Jahren wurde er zum Vollwaise. Er war durch sein Erbe jedoch bestens abgesichert. Bis 1770 ging er zur Schule in Nancy und studierte danach bis 1776 Jura in Straßburg. Im Anschluss daran spezialisierte er sich auf bairisches Recht, das er als Achtzehnjähriger mit einem Diplom „mit außerordentlichem Lob" an der Universität Ingolstadt abschloß.

 

Nach dem Studium wurde er kurbaierischer Hofrat in München, musste aber wegen seiner Mitgliedschaft im Illuminatenorden fliehen, nachdem er bei Kurfürst Karl Theodor in Ungnade fiel.

Seine Flucht führte ihn an den Hof von Pfalz-Zweibrücken, wo Montgelas 1790 erstmals Max Joseph traf, mit dem er sich anfreundete und schon in jungen Jahren zu dessen engstem Berater wurde.

1799 saß er mit in der Kutsche als Max Joseph am Stachus vorfuhr und als neuer

pfalz-baierischer Kurfürst bejubelt wurde.

 

Abbildung (oben): Maximilian Carl Joseph Franz de Paula Hieronymus Graf von Montgelas 1810, sitzend für ein Portrait, dargestellt vom Munichkindl (2016); Abbildung (unten): das entstandene Gemälde von Joseph Rauschmayr erstellt 1810

Gleich zu Beginn der Regentschaft, nur 14 Stunden nach ihrem Eintreffen, wurde er von Max zum Außenminister Baierns ernannt. Als Minister beschloss er tiefgreifende Reformen der öffentlichen Verwaltung und Politik Baierns. Die Pläne hierzu hatte er bereits nach dem Studium, beeinflusst von der französischen Revolution, in den frühen Zeiten der Aufklärung entwickelt.

 

Da Montgelas sich politisch nicht allzu ungeschickt verhielt, übte er schon bald defacto die Position eines Ministerpräsidenten aus. Sein Schwerpunkt lag stets in der Außen- sowie Innenpolitik, aber sein Betätigungsfeld umfasste eigentlich alles. Das Außenministerium leitete er von 1799-1817, zusätzlich war er ab 1806-1817 Innenminister und auch das Finanzministerium leitete er mit Unterbrechung über dreizehn Jahre. Nur dem Justiz- und dem Kriegsministerium stand er nie vor. 

 

Montgelas meidete das Hofleben in München weitestgehend, da ihm die Gesellschaft am Hofe zu dröge erschien. Er gab lieber selbst Empfänge, zu denen er Intellektuelle, Wissenschaftler, Diplomaten und Künstler einlud.

 

Ab 1803 hatte er seine Stadtwohn- und Diensträume mit seiner Frau, Ernestine Gräfin von Montgelas, geborene Gräfin von Arco, in einem Palais (Ecke Promenadeplatz/ Kardinal-Faulhaber-Straße), das heute als "Palais Montgelas" zum Hotel Bayerischer Hof gehört. Bis 1817 war hier auch der Sitz des Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten. Von seiner Frau Ernestine stammt der Satz: "Als Finanzminister war er gut, als Innenminister passabel, als Finanzminister verdiente er gehängt zu werden."

 

Ein weiteres, jedoch eher düsteres Kapitel seiner Regierungszeit ist die radikale Säkularisation, also der Sturm auf die Klöster und Kirchen. In den Jahren 1802/03 veranlasst Montgelas diese schonungslose Enteignung nahezu aller Kirchen- und Klostergüter, wobei der gesamte kirchliche Besitz an den bairischen Staat übertragen wurde.

 

Damals wurden nicht nur der über tausendjährigen Freisinger Hochstift aufgelöst, sondern auch alle dreizehn Münchner Klöster (mit Aussnahme der Servitinnen vom Herzogspital) geschlossen. Kostbare Kunstwerke, Kirchensilber, Monstranzen, Kelche oder Ölgemälde wurden nach Raubritterart geplündert. Die baierische Staatsbibliothek erhielt fast über Nacht etwa 230.000 wertvolle Bände aus geplünderten Klosterbibliotheken und wuchs zur weltweit bedeutenden Handschriftensammlung an. Die meisten Klostergebäude werden abgerissen oder anderweitig genutzt. Die Münchner Augustinerkirche aus dem 13. Jahrhundert (in der heute das Jagdmuseum untergebracht ist) wurde z.B. fortan als Mauthalle genutzt. Da überall Klosterschulen betrieben wurden, die allesamt geschlossen wurden, verschlechterte die "Säkularisation" vorrübergehend die Bildungsmöglichkeiten des einfachen Volkes. 

 

Unter Montgelas fand der zweimalige Bündniswechsel, erst hin und dann weg von Napoleon statt. Aus dem sich daraus ergebenden kräftigen Gebietszuwachs, ging der Flächenstaat Bayern in seinem heutigen Umfang hervor. 

 

1809 wurde Freiherr Maximilian von Montgelas in den Grafenstand erhoben. Graf von Montgelas konnte sich über die Jahre einen bedeutenden Wohlstand aneignen und galt dennoch als "Mann von Noblesse". Die amourösen Abenteuer seiner zwanzig Jahre jüngeren Ehefrau, Ernestine, zu einigen Männern der baierischen Beamtenschaft und den damit verbundenen Klatsch am Hofe schien er hinzunehmen.

 

Mit dem zunehmenden politischen Widerstand von Kronprinz Ludwig und nach dem Tod seiner Frau Ernestine (1820) zog sich Montgelas fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück und verbrachte die Zeit mit der Erziehung seiner acht Kinder. Im hohen Alter litt Montgelas über Jahre an chronischen Erkältungen, Gicht und Ischias, bis er im Sommer 1838 neunundsiebzigjährig im Stadtpalais am Promenadeplatz verstarb.

 

Montgelas politisches Vermächtnis ist so groß, dass es als "Revolution von Oben" bezeichnet wird. Trotz einer katastrophalen Finanzlage Baierns beschloss er eine Vielzahl wichtiger Reformen mit denen er die aus dem Mittelalter stammende gesellschaftliche Ordnung aufbrechen konnte: die Gleichheit vor dem Gesetz, die Entmachtung des Adels, eine gerechtere Besteuerung, relative Pressefreiheit, Einführung eines neuen und weniger korrupten und weniger willkürlichen Beamtentums, Abschaffung der Käuflichkeit oder Erblichkeit von Ämtern durch die Neuorganisation der Verwaltung und Gerichtsbarkeit, die überfällige Abschaffung der Leibeigenschaft, Reform des Strafrechts mit der Abschaffung des Straftatbestandes der Hexerei, Ketzerei und anderer menschenunwürdigen Strafen des Mittelalters, Liberailsierung des Handels, Neuorganisation des Schulwesens, der Universitäten und  des Gesundheitswesens.