München in Zeiten der Aufklärung

Baiern wird Königreich unter Max I. Joseph 

1799 bis 1825 n. Chr.

Als der unbeliebte Kurfürst Karl Theodor in der Münchner Residenz während eines Kartenspiels einen Schlaganfall erleidet und kurz darauf verstirbt, ist die Reaktion der Münchner alles andere als betrübt. Die Theatinermönche läuten die Kirchenglocken und ganz München jubiliert:            "Er wollte uns an Österreich verkaufen!"  Deutlicher konnte man nicht zum Ausdruck bringen, dass er einer, wenn nicht sogar 'der' unbeliebtesten Herrscher Baierns war. Da Karl Theodor trotz seiner vielen unehelichen Kinder (der Legende nach, sollen es über sechzig gewesen sein) keinen legitimen männlichen Sprößling zeugte, war sein Neffe Max Joseph plötzlich, als sein nächster Verwandter, an der Reihe.

Abbildung: Max I. Joseph bei seiner Krönung (ohne Krone)

dafür aber mit seinem Lieblingsaffen, dargestellt vom Munichkindl (2016), darunter König Max im Krönungs-ornat, Gemälde von Moritz Kellerhoven, 1806

daneben der "Max" im bayerischen Kartenspiel, Künstler unbekannt 

Max Joseph (* 1756 in Schwezingen nahe dem Elsass; † 1825) stammte aus der Zweibrückner-Seitenlinie der Wittelsbacher, wuchs in Straßburg auf und sprach besser Französisch als Deutsch. Auch dem Baierisch war er anfangs noch nicht mächtig, als er am 12. März 1799 mit seinen Kutschen aus Mannheim kommend am Stachus vorfuhr. Dort wurde er mit "Vivat Maximilian" Rufen lauthals begrüßt und auch in den Wirtshäusern wurde die Ankunft des neuen Hoffnungsträgers ausgelassen gefeiert.

 

Als eine der ersten Handlungen hob Max den "Bierzwang" auf, durch den die lokalen Brauer auch den Verkauf von misslungem, geringwertigem Bier durchsetzen konnten. Auch mit dieser Entscheidung macht er sich bei den Münchnern beliebt.

 

Max hatte die Gestalt eines "groben, verdrießlichen baierischen Fuhrmanns", war aber sehr bürgernah, ging   gerne täglich, ohne große Begleitung zu Fuß durch die Münchner Straßen und unterhielt sich zwanglos mit 

Kaufleuten und seinem Volk. Unabhängig davon war er auch etwas exzentrisch. Als Leibdiener beschäftigte er einen Jungen afrikanischer Herkunft ("Leibmohr"). Auch einen Hofnarren beschäftigte er noch, obwohl dies in den Jahren der Aufklärung bestimmt nicht mehr en vogue, also zeitgemäß war und zum Frühstück leisten ihm als Haustier ein großer Affe Gesellschaft. Bis 1806 hatte Max Joseph einen Haarzopf und ungewöhnlich für einen baierischen Kurfürsten war es auch, dass er rotgoldene Ohrringe trug.

 

Noch im selben Jahr, in dem Max Joseph die Regierung antrat entbrannte Krieg zwischen Frankreich und dem Dreier-Bündnis aus Österreich, England und Russland. Leider hinterließ Karl Theodor einen Schuldenberg von 25 Millionen Gulden, so dass Baiern wieder einmal kurz vor dem Staatsbankrott stand und sich die, von allen erhoffte Neutralität nicht erkaufen konnte. Der Erbfeind stand mit 100.000 österreichische Soldaten schon an den Grenzen zur Belagerung Baierns bereit, so dass Max Josef nur übrig blieb mit der Koalition gegen Frankreich den Bund einzugehen.

 

Ende August 1805 schloss Max in Bogenhausen das baierisch-französiche Bündnis. Damit war Baiern, noch vor Baden und Württemberg der erste deutsche Staat, der sich mit Frankreich verband.

 

Mit der Unterschrift unter den Verträgen ließ sich Max jedoch sehr viel Zeit, um sich möglichst lange die Neutralität oder auch ein Bündnis mit den Österreichern offen zu halten. Anfang September 1805, gegen 19Uhr, als Max sich eigentlich in die Privat-gemächer im Schloss Nymphenburg zurückziehen wollte, bekam er ungebetenen Besuch eines österreichischen Botschafters, der in Begleitung hunderter Husaren und Dragonern ankam, um ihm einen Brief des Habsburger Kaisers zu übergeben. Die Österreicher drohten mit dem Einmarsch sollte Baiern sich nicht entscheiden an ihrer Seite gegen Frankreich zu kämpfen. Ferner setzten sie Max Joseph ein Ultimatum, auf das er jedoch nur zum Schein einging, während sein eigentlicher Bündnispartner, Frankreich, die Truppen bereits zusammenzog. Als Max Joseph Ende September 1805 den Bündnisvertrag mit Napoleon offiziell ratifizierte, marschierten die Österreicher gerade wieder in Baiern ein.

 

Nicht nur die französische Erziehung von Max Joseph im Elsass, sondern auch die Dominanz der napoleonischen Armee führten zwischen 1805 und 1813 zur engen Anlehnung Baierns an Frankreich. Als Dank für diese Bündnistreue wurde Baiern durch Napoleon am Neujahrestag 1806 zum Königreich erhoben und Max, als Max, der I. Joseph in München zum ersten baierischen König ernannt. Aus Mangel an einer Krone, die erst noch gefertigt werden musste, fiel der nur wenige Minuten dauernde Staatsakt in der Müncher Residenz verhältnismäßig bescheiden aus.

 

Im Bündnis mit Frankreich waren die Österreicher schnell besiegt und Baiern wurde durch Tirol und Salzburg kräftig erweitert. Leider musste Baiern bald der französischen Allianz Tribut zollen und sich 1812 einem großen Feldzug gegen Russland anschließen, in dem unvorstellbar, 30.000 baierische Soldaten unnötig ums Leben kamen. Ein Jahr zu spät kündigte Max die Partnerschaft mit Frankreich und kooperiere fortan nachbarschaftlich mit dem ursprünglichen Erzfeind Österreich, dem wir gleich das baierische Salzburger Land und Tirol rückübereignen mussten. Die Abtretung dieser Gebiete wurde 1814 durch den Erwerb fränkischer und schwäbischer Bezirke und der erneuten Inbesitznahme der Rheinpfalz ausgeglichen. Pfalz-Baiern war damals der drittgrößte Länderkomplex des Reiches.

 

All die vielen Jahre über war Max wohl wichtigster Berater sein Staatsminister Montgelas, der ihm als Außen-, Innen und Finanzminister diente. 1808 ging Max als Vater der ersten baierischen Verfassung, in die Geschichte ein. Diese blieb in ähnlicher Form bis zum Ende der Monarchie 100 Jahre lang in Kraft.

 

Ferner war es Max, der 1810 den Vorschlag von Dall’Armi, einem Major bei der königlich baierischen Nationalgarde, annahm und ein großes Fest anlässlich der Hochzeit seines Sohnes, Kronprinz Ludwig mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen auf einer 'Wiesn' vor den Toren Münchens anordnete. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich seit 1811 schließlich das Oktoberfest.

 

Nachdem die mittelalterlichen Stadtmauern nicht mehr benötigt wurden, fielen die Befestigungsanlagen schön langsam weg und Max ordnete 1809 die Erstellung eines Plans für die städtebauliche Ausweitung von München ("Maxvorstadt") an. Von 1810 bis 1818 ließ Max im Stil des Klassizismus das Nationaltheater erbauen, das 1823 abbrannte und der Legende nach mit dem Bier des nahegelegenen Hofbräuhauses gelöscht wurde.

 

Max verstarb am 13. Oktober 1825 im Schloss Nymphenburg. Anders als bei seinem Vorgänger war es kein Jubel-, sondern ein Trauertag, da Max bei den Münchnern, sowie der gesamten baierischen Bevölkerung äußerst beliebt war. Beim Watten, dem baierischen Kartenspiel das auch zu dieser Zeit entstanden ist, wird seit jeher die höchste Spielkarte (der Herz-König) "Max" genannt, was als Erinnerung an Baierns ersten König zu verstehen ist. 

 

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