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Vier Glückslöwen von der Residenz

Seit 1616 n. Chr. an den beiden westlichen Eingangsportalen

Bayerische Sage

Im frühen 17. Jahrhundert ließ Herzog Maximilian I. die Residenz um den Kaiser- und Kapellenhof erweitern. Seit 1616 bewachen dort an der damaligen Schwabinger Gasse (heutige Residenzstrasse) vier Bronzelöwen die beiden westlichen Eingänge. Vor Ihrer Umwidmung zu stolzen Portallöwen standen die Vier provisorisch als Brunnenfiguren im Hofgarten. Ein jeder der Löwen übrigens verkörpert eine eigene Tugend (von Nord nach Süd): 

  • Die KLUGHEIT (lat. Prudentia) ist auch die Kardinalstugend ersten Ranges. Auf dem Schild des ersten Löwen ist ein Schiff und ein Kompass abgebildet, denn der kluge Seemann lenkt sein Schiff nach dem Leitstern durch die tiefen Gewässer. Hier steht der Spruch: QVA SIDERE QVA SIDERITE (was soviel heißt wie: Mit ihr (der Klugheit) als Leitstern, mit ihr als Magnetnadel)

  • Der zweite Löwe steht für die GERECHTIGKEIT (lat. Iustitia). Hier jedoch nicht als Frau mit Schwert, Waage und Augenbinde, sondern die Sonne dargestellt, die ganz gerecht alle gleichermaßen bescheint - SVPERA SIMVL ET INFERA (Das Höhere ebenso wie das Niedere)

  • Am zweiten Portal hält der dritte Löwe das Schild mit der TAPFERKEIT (lat. Fortitudo). Hier wird der Stein dargestellt, der beim Aufschlag aufs Wasser Wellen wirft. Darüber der Spruch: DIFFRACTAS LONGE REMITTIT (Die Gebrochenen wirft er weit zurück)

  • Und der vierte Löwe, der am weitesten vom Hofgarten entfernt sitzt, hält das Schild mit der MÄSSIGUNG (lat. Temperantia) in seinen Pranken. Hier dargestellt ist eine Wanduhr mit Gewichte und der Satz: TEMPERATO PONDERIBVS MOTV (Mit einer durch Gewichte maßvoll geregelten Bewegung)

 

Um die Löwen rankt sich folgende Stadtlegende: Ein junger Studenten hatte 1848 ein Schmähgedicht auf König Ludwig I. und dessen umstrittenes Gspusi Lola Montez verfasst. Als er verhaftet und persönlich vor den König zitiert wurde, muss er das Schlimmste befürchtet haben, sogar die Todesstrafe hätte ihm drohen können. Der junge Student wurde aufgefordert dem König sein Spottgedicht vorzutragen und anstatt dem zu erwartenden königlichen Tadel bog, sich Ludwig vor Lachen. Es erfolgte keine satte Strafe, sondern die sofortige Begnadigung und nicht nur das. Der König war derart belustigt, dass er dem jungen Poeten obendrein einen dicken Beutel voll Talern überreichten ließ. Dieses saumäßige Glück hatte der Studenten eigenen Angaben zufolge den vier bronzenen Löwen zu ver-danken, deren Schnauzen unter dem Kartuschenschild er vor der königlichen Audienz gerieben hatte.

So gilt es noch heute, dass man viele Münchner in der Residenzstraße beobachten kann, wie sie bei den Bronzelöwen im Vorbeigehen über die bereits blanken Schnauzen reiben, um einen speziellen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen oder ganz pauschal, um für den restlichen Tag mit reichlich Glück ausgestattet zu sein. Für die einen ist es Aberglaube, Spaß oder eine tägliche Gewohnheit, für die anderen ist es die Verbindung mit dem existierenden morphogenetischem Feld, der Ahnenkraft aller Wünschenden.

Die Originallöwen werden übrigens schon seit 2013 in den Ausstellungsräume der Residenz ausgestellt. Die Glücksbringer vor dem Tore sind nur noch originalgetreue Kopien, aber wer uns Münchner an der Residenz beobachtet, weiß genau, dass der Zauber auch noch heute tatsächlich funktioniert.

KLUGHEIT

PRUDENTIA

GERECHTIGKEIT

IUSTITIA

TAPFERKEIT

FORTITUDO

MÄSSIGUNG

TEMPERANTIA