Stadtgeschichte München - Sitemap -  Literatur - Datenschutz © 2014-2018 by Munichkindl, München

Der Goldschmied beim Schönen Turm

Anfang des 16. Jh. - um etwa 1500 n.Chr 

Abbildung: Der Schöne Turm (links=von der Innenstadt; rechts=Außenansicht), damals noch mit vier Ecktürmen, die 1777 abgetragen wurden. Seinen Namen erhielt der "Schöne Turm" von den zahlreichen Fresken, reichen Verzierungen und Wandmalereien. 1807 wurde schließlich der Schöne Turm ganz abgebrochen. Abbildung aus Gustav Steinlein, Die Baukunst Alt-Münchens (1910); Unten: Hirmer-Fassade mit dem Schönen Turm und dem Goldschmied; Oben: Der Goldschmied Bleistiffzeichnung, kolloriert vom Munichkindl 

16. Jahrhundert in München

Um 1479 wurde das westliche alte Stadttor, der sogenannte 'Öde Turm', wegen seines vernachlässigten und baufälligen Zustandes abgerissen. An der Stelle des 'Öde Turms' (auch genannt das Chufringer Tor) wurde sofort mit dem Bau eines neuen Tores begonnen. Dieser "Schöne Turm" wurde  drei Jahre später (1481) fertigerstellt und lag etwa 100 Meter von der Frauenkirche (die damals ebenfalls gerade erbaut wurde) entfernt. Der Turm mit dem Stadttor steht heute leider nicht mehr, nur noch der Grundriss vom "Schönen Turm" ist durch farblich abgesetzte Pflaster der Fußgängerzone (Kaufinger Straße 28. vor dem Hirmer) erkennbar.

Im 'Schönen Turm' selbst wohnte der Stadtuhrmacher und in dem Erdgeschoß befanden sich Verkaufsläden mit sehr praktischen Vordächern überdeckt. Direkt neben dem "Schönen Turm" hatte der Goldschmied seine Werkstatt im ersten Stock. Die Legende besagt, dass gegen Anfang des 16. Jahrhunderts (so genau steht der Zeitpunkt nicht fest) ein vornehmer Herr ein kostbares Colliere zu dem Goldschmied brachte und ihn beauftragte ein ähnliches Stück anzufertigen. Der Schmied begann gleich mit dem Auftrag und von der Arbeit wurde ihm warm, so dass er das Fenster öffnete. Später bekam er Durst und verließ am Nachmittag die Werkstatt, um eine "Hoibe" zu trinken. Als er zurückkam war die verschlossene Türe zur Werkstatt unversehrt, aber das teure Schmuckstück verschwunden. Da die Goldkette nirgends aufzufinden war, musste er seinen Auftraggeber von seinem Unglück berichten. Dem reichen Herren kam die Sache sehr sonderbar vor und er beschuldigte den Goldschmied des Diebstahls, so dass dieser kurzerhand vom Rat zum Tode verurteilt wurde. Der Schmied beteuerte vielfach seine Unschuld, aber keiner wollte ihm glauben, so dass das Urteil am Schrannenplatz vollstreckt wurde.

 

Erst einige Wochen später als der "Schöne Turm" ausgebessert wurde, stieg ein Handwerker auf den Glockenturm und entdeckte in einem Nest einer Elster das vermisste Schmuckstück. Er brachte es zum Rat und so kam die traurige Wahrheit ans Licht, dass dem Goldschmied Unrecht geschah. Schnell verbreitete sich die traurige Nachricht und noch heute erzählt man sich die Legende, wenn man am Hirmer vorbeigeht.

 

An der Stelle seiner Werkstatt, zur Rechten vor dem Schönen Turm, ist heute eine Skulptur des armen Goldschmieds am Hauseck vom Herrenausstatters Hirmer (gegenüber vom Jagdmuseum) angebracht.