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München im 15. Jahrhundert

Der Meister Erasem Schnitzer und die älteste Ansicht Münchens

1472 bis 1518 n. Chr.

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Holzschnitt aus der Schedelschen Weltchonik -

Ansicht Münchens (zwischen 1488 und 1493); Blick von Osten 

 

1) Angertor

2) Sendlingertor

3) Jakobskirche

4) St. Peter, der Alte Peter - damals noch mit Doppelspitze

5) Heilig Geistkirche

6) Der Schöne Turm (neben 'Hirmer')

7) Der Rathausturm ('altes Rathaus')

8) Frauenkirche - damals noch mit provisorischem Abschluss

9) Isartor

10) Der Alte Hof

11) Der Lug ins Land

12) Franziskaner Kloster (bei der Oper)

13) Die 'Neue Veste' - die Residenz

1472 kam Erasmus Grasser (*um 1450 in der Oberpfalz) als 22 Jähriger nach Abschluss seiner Lehr- und Wanderjahre nach München. 1475 wollte er sich bei der Zunft der Münchner Maler und Schnitzer eintragen lassen, doch dessen Aufnahme wurde anfänglich verhindert, da er ein „unfriedlicher, verworrner und arglistiger Knecht“ sei. Auch ohne die Mitgliedschaft konnte er sich als junger Schnitzer in München schnell etablieren. 

 

Für Grasser war es vielleicht ein Glücksfall, dass ein paar Jahre vor seiner Ankunft (im Jahr 1460) das "Alte Rathaus" (7) vom Blitzschlag getroffen wurde. Das abgebrannten Rathaus wurde als spätgotisches Gebäude von 1470 bis 1480 an gleicher Stelle wieder errichtet. Im Ratskeller zog das Stadtgefängnis, das sog. "Fronhaus", ein und im Erdgeschoss wurde das „Brothaus" untergebracht. Im ersten Stock wurde ein Festsaal mit Tonnengewölbe als „Tanzhaus“ errichtet, das den Bürgern und dem Herzogshof als Versammlungsraum diente. Der „Meister Erasem Schnitzer" erhielt damals den Auftrag der Stadt elf Wappenschilder, Sonne und Mond sowie 16 Moriskentänzer („16 pilden maruscka tanntz“) für diesen neuen Tanzsaal zu erstellen und bekam von der Stadtkämmerei dafür 150 Pfund und 4 Schillinge.

 

Die Münchner Moriskentänzer sind ein einzigartiges, kunstgeschichtliches Ensemble, das einen unschätzbaren Wert für München darstellt und dies obwohl von den ursprünglich 16 Figuren heute nur noch zehn vorhanden sind. Die sechs fehlenden Figuren stellen vermutlich die umworbene Dame (mit Apfel oder Ring) dar, einen Pfeifer mit Flöte oder einen Trommler, andere maurische Tänzer oder vielleicht auch Zuschauer und Mitglieder des Herzoghofes.

 

1480 wurde der Grasser Erasmus wegen seines bildhauerischen Könnens schließlich doch zum Vorsteher der Maler- und Schnitzer-Zunft gewählt.

 

Grasser war in München mehrmals im Alten Peter (1482 / 1500), in der Frauenkirche (1502) oder in München-Ramersdorf (1482) tätig. Neben den Moriskentänzern schuf er viele Heiligenfiguren, ferner erbaute er bei St. Gallen ein Kloster, erweiterte die Schwazer Pfarrkirche in Tirol und sanierte die herzogliche Saline in Reichenhall. Herzog Albrecht IV. stiftet Erasmus Grasser deshalb auch eine jährliche Leibrente von 80 Gulden, Freitisch bei Hof und freies Hofkleid.

 

Wohnhaft war Erasmus Grasser in der Schwabinger Gasse (im jetzigen „Zechbauer-Haus“ Ecke Residenz-/Perusastraße) und wurde zu einem der wohlhabendsten Münchner, der von 1512 bis zu seinem Tod (1518) sogar Mitglied des Äußeren Rates wurde. Grasser starb 1518 als einer der reichsten Bürger der Stadt.

 

Zu Grassers Lebzeit, im Jahr 1493 erschien auch die Schedelsche Weltchronik. Mittelpunkt dieser Chronik sind Holzschnittansichten von 116 Städten, wovon ca. Dreiviertel nicht als authentisch gelten. Die Darstellung von München auf einem doppelseitigen Holzschnitt hingegen entsprach dem wirklichen Aussehen der Stadt. Michael Wohlgemut, der Mitte des 15 Jahrhunderts ebenfalls eine Zeit in München wohnte, erstellte mit seinem Pflegesohn Pleydenwurff damals diese älteste bekannte Münchner Stadtansicht. Der Blick auf München vom ‚gachen Steig‘ (Gaststeig) zeigt die zwischen 1488 und 1525 noch haubenlosen Türme der Frauenkirche.

 

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