Herzog Albrecht und seine Wunderkammer

1528 bis 1579 n. Chr.

Der kleine Albrecht (* 1528; † 1579) war ein "G'studierter", da er schon mit zwölf Jahren sein Studium an der baierischen Hohen Schule (jetzige Universität von Ingolstadt) beginnen durfte.

 

Bereits im Alter von 18 Jahren heiratete Albrecht V. im Sommer 1546 in München Anna von Österreich, eine Nichte von Kaiser Karl V. und Tochter des künftigen Kaisers Ferdinands I. 

 

Vier Jahre später wurde Albrecht als 22jähriger nach dem Tod seines Vaters (1550) Herzog von Baiern und damit Herrscher "in Obern und Nidern Bairn".

 

Er wurde ein leidenschaftlicher, fast exzessiver Sammler und Kunstfreund und entwickelte München zur "Stadt der Künste". 

 

In seiner Sammlerwut kaufte Albrecht irrsinnig viele Münzen und Bücher, um damit die Münz-sammlung und Hofbibliothek zu gründen. Von 1563 bis 1567 ließ er ein neues Marstall- und Kunstkammergebäude (heutige Alte Münze) errichtet. Im Nebengebäude waren das Heulager, im Erdgeschoss „eine ziemlich finstere Stallung“, im ersten Stock Personalräume und im zweiten Geschoss wurde die Kunstkammer eingerichtet. Diese herzogliche Kunst- und Wunderkammer war eines der ersten Museen nördlich der Alpen, wenn auch für die Münchner Bevölkerung nicht zugänglich.

 

Albrecht kaufte für diese Sammlung römische Büsten, antiker Skulpturen (darunter auch einige Fälschungen) und stellte dort über 6.000 Exponate aus. Eines der ersten Ausstellungsstücke

war das Münchner Stadtmodell, das er sich 1570 von Jakob Sandtner fertigen ließ.

 

Herzog Albrecht beschäftigte ein Heer bekannter Maler und warb auch den Komponisten   Orlando di Lasso als Kapellmeister für seinen Hof. 

16. Jahrhundert in München


Der Niederländer Orlando di Lasso (* 1532; † 1594 in München) kam als 24jähriger auf Bitten von Herzog Albrecht nach mehrjähriger Wanderschaft zu uns nach München. Hier wurde er anfänglich als "Tenorist" Mitglied der herzoglichen Hofkapelle. 1562 übernahm er offiziell die Stelle des Münchner Kapellmeisters. Orlandos Hofkapelle war für die Kirchenmusik bei der täglichen Messe, für öffentliche Festmusik und Musik bei Staatsempfängen, sowie für die private Kammermusik des Herzogs zuständig. Auch die herzoglichen Mahlzeiten, die öffentlich vor Zuschauern zelebriert wurden und ein regelmäßiges höfisches Ereignis mit höchster symbolischer Bedeutung waren, wurden von Orlando musikalisch begleitet. Orlando baute die Münchner Hofkapelle von etwa 20 auf über 60 Musiker aus. 1570 wurde Orlando von Kaiser Maximilian II. geadelt und lebte bis zu seinem Lebensende in München.

 

Herzog Albrecht V. legte stets hohen Wert auf prachtvolle Auftritte. Jenseits den Ausgaben für Musik und Kunst leistete sich Albrecht Kurioses aller Art, was heute

großes Befremden hervorrufen würde. Er umgab sich mit Hofnarren, beschäftigte 'Kammerzwerge' und das Übermaß an Essen und Trinken wurde vom 'Leibmohr' aufgetragen. Albrecht unterhielt einen Privatzoo mit allerlei exotischen Tieren.

1572 bekam er vom Kaiser einen Elefanten geschenkt und angeblich wurde der

Herzog stets von einem zahmen Löwen begleitet.

 

Albrecht schwelgte im Luxus, was zu hohen Ausgaben und später massiven Schulden führte. Seine höfischen Räte waren weniger musik- und kunstbegeistert, da sie mit ansehen mussten, wie die Staatseinahmen schrumpften. Sie schrieben ihr Missfallen schließlich in einer drastischen Ermahnung fest. Dennoch wurde unter Albrecht V. aus dem baierischen Kleinstaat ein Staat von europäischer Bedeutung.

Abbildungen Oben: Herzog Albrecht V. mit umgehängtem Mantel und geschlitztem Wams und bortenbesetzter Pluderhose, dazu weiße Seidenstrümpfe mit seinem zahmen Löwen dargestellt vom Munichkindl (2015); Unten/links: Herzog Albrecht in alten Jahren, porträtiert um 1730 aus der Ahnengalerie der Münchner Residenz

Unten/mittig: Herzog Albrecht in alten Jahren in ganzer Figur, dargestellt vom Münchner Hans Mielich (Muelich; *1516; † 1573), ausgestellt im Bayerischen National Museum; Unten/rechts: Herzog Albrecht in jungen Jahren wieder dargestellt von Hans Mielich, ausgestellt in der Alten Pinakothek, München

Abbildungen: Marstall- und Kunstkammer aus 'Die Bau-kunst Alt-Münchens' von Gustav Steinlein (1910)

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