16. Jahrhundert in München

Das große Fest mit Kaiser Karl V.

1530 n.Chr. 

Eines der wohl wichtigsten politischen Ereignisse im 16. Jahrhundert war der Besuch Kaiser Karls V. in München. Am 10. Juni 1530 hielt er mit seinem Gefolge aus Kardinälen, Bischöfen, Fürsten, Pfalzgrafen, Adligen und Rittern „mit grossem triumpf und freuden“ in München an, als er nach seiner Kaiserkrönung durch den Papst von Bologna über Innsbruck kam, um weiter zum Reichstag nach Augsburg zu reisen. Es war ein heisser, wolkenloser Sommertag, als der Zug vor München eintraf.

 

Auf der Perlacher Heide (Peraloh; "lôh" = "Auwald", "Niederwald"; "Per(a-)" = althochdeutsch für "Bär") ließen der Herzog Wilhelm IV. und sein Bruder Herzog Ludwig X. ein gerüstetes Reiterheer mit über 100 schweren Feldgeschützen Aufstellung nehmen und zu Ehren des Kaisers einen Schaukampf durchführen. Hunderte von Münchner Bürger simulierten den Angriff und die Verteidigung eines „schlos mit holtzwerck und tuechern darauf".

 

Nach diesem Spektakel zog der Tross mit 560 Pferden, darunter 300 in voller Rüstung über die Isarbrücke und verfolgte von dort das "Fischerstechen", das die Münchner Fischergesellen vorführten. Entlang des Isarufers waren Bühnen errichtet, auf denen Historien- und Musikstücke aufgeführt wurden. Der Einzug in die Stadt fand unter Kanonendonner statt und der Besuch des Kaisers war ein großes Hallo, so dass ein „gros gelauff unter dem volcke" zu beobachten war.

 

Am ersten Abend seines Besuches wurde einige Gebäude beleuchtet, ganze Straßenzüge in künstliches Licht getaucht und es wurde ein großes Feuerwerk auf dem Schrannenplatz gezündet, bevor der Kaiser sich in die Neueveste (an der Stelle der heutigen Residenz) zur Nachtruhe zurückzog. Am nächsten Morgen ritt der Kaiser mit seinem Gefolge zur Jagd und soll an die 100 Hirsche erlegt haben.

 

Am Sonntag, dem 12. Juni 1530, besuchte der Kaiser den Gottesdienst in der Frauenkirche, dabei war die Kirche bis auf den letzten Platz mit einer unübersehbaren Volksmenge überfüllt. Abends fand dann im Rosengarten (dem damaligen Hofgarten beim jetzigen Marstallplatz) ein Bankett mit über 30. Gängen statt. Der Kaiser soll ausgelassen mit der Gemahlin des Münchner Herzogs getanzt haben. Um 22 Uhr, war man zwar erst bei der Mitte des Mahls angelangt, als der Kaiser zu Bette ging. Die übrige Gesellschaft zog weiter zum Rathaus (heutiges Alte Rathaus) und und tanzte dort bis in den frühen Morgen. Einer der Gäste rühmt dabei die schönen Münchnerinnen und erklärte, dass München überhaupt eine "herrliche Stadt, schöner als Bologna, Mantua oder Ferrara" sei.

 

Am Dienstag vor Fronleichnam, den 14. Juni war die große Party dann beendet und der Kaisers zog mit seiner Gefolgschaft über Fürstenfeld zum Reichstag nach Augsburg weiter. Insgesamt kostete der Besuch die Stadt 522 Gulden 3 Schillinge und 21 Pfennige.

Abbildung (oben): Hans Sebald Behams Holzschnitt (1531) eine der ältesten Ansichten Münchens. Von Osten aus bei Perlach sieht man die Stadtsilhouette. Im Vordergrund ist das Schaugefecht zum Besuch Kaiser Karls. Abb. (mittig): Kaiser Karl V. tanzt mit Maria Jacobäa von Baden, Ehefrau von Herzog Wilhelm IV. Zeichnung vom Munichkindl; Abb. (darunter): Kaiser Karl V. (verfremdetes Porträt nach Christoph Amberger, um 1532), Herzogin und Herzog Maria Jacobäa und Wilhelm IV. (Künstler unbekannt); Abb. (unten): Behams Holzschnitt vergrößert mit Herzog Wilhelm IV. dargestellt vom Munichkindl

Stadtgeschichte München - Sitemap -  Literatur - Datenschutz © 2014-2018 by Munichkindl, München