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Karl Mayr

Mayr (* 1883; † 1945) machte sein Abi am Wilhelmsgymnasium im Lehel und wurde danach Fahnenjunker beim 1. Infanterie Regiment ebenfalls in München. Er legte eine rasante Militärkarriere hin und wurde vom Leutnant zum Hauptmann und Generalstabs-offizier befördert. Im ersten Weltkrieg kom-mandiert er ein Jägerbataillon und nach Kriegs-ende kam er zurück nach München. Er wurde Kompaniechef bei seinem alten   Infanterie-Regiment, wo er sich jedoch gleich 1919 für drei Monate beurlauben ließ, um für die Thule-Gesellschaft tätig zu werden. 

Ab dem 30. Mai 1919 leitete er schließlich die Propagandaabteilung Ib/P in der Abteilung Nachrichten- und Verbindungsdienst beim Gruppenkommando IV. der vorläufigen Reichs-wehr. Die Aufgabe seiner Gruppe bestand darin, die Moral der Truppen zu überwachen und subversive Aktivitäten frühzeitig zu erkennen. In dieser Funktion hatte er ständige Kontakte zu separatistischen, völkischen und antisemitischen Gruppen. 

Es war Mayr, der Ende Mai 1919 Adolf Hitler als V-Mann für die Propagandaabteilung rekrutierte und ihn zu einem „antibolsche-wistischen Aufklärungskurs“ beorderte. Mayr behauptet später, dass er Hitler aus Mitleid aufnahm, da er wie "ein streunender Hund auf der Suche nach einem Herrchen" wirkte.

Am 22. Juli wurde Hitler von Mayr zum Aufklärungskommando versetzt, um Soldaten im Reichswehrlager Lechfeld propagandistisch "umzuerziehen" und wieder zu guten Patrioten zu machen. Damals lernte Hitler im Kreise seiner Kameraden frei zu sprechen und entdeckte seine rhetorischen Fähigkeiten. Daneben wurde Hitler immer wieder als Beobachter zu Versammlungen neu gegründeter politischen Parteien geschickt, die damals überall in München aus dem Boden schossen. So erhielt Hitler auch am 12. September 1919 den Befehl an einer Sitzung der Deutschen Arbeiter-partei (DAP) teilzunehmen.

Hätte Mayr Hitler nicht als V-Mann für seine Propagandaabteilung rekrutiert und hätte er ihn nicht zur Parteiveranstaltung der DAP beordert, wäre uns vielleicht einiges erspart geblieben?

Im März 1920 erteilt Mayr den Auftrag, dass Hitler und Dietrich Eckhart nach Berlin reisen sollen, um dort die Vorgänge um den Kapp-Putsch zu beobachten. Wenige Monate später, wird Karl Mayr auf eigenen Wunsch aus dem Militärdienst entlassen und tritt als Major aus dem Generalstab zurück. Mayr wird danach sehr kurz Mitglied der NSDAP und Schriftleiter beim Völkischen Beobachter.

 

Warum er sich dann urplötzlich von den völkischen Verbänden distanziert ist unklar. 1925 macht Mayr eine radikale Umkehr und tritt in die SPD ein, um dort einen linken Wehrverband aufzubauen. Nach der Machtergreifung Hitlers flieht Mayr 1933 nach Frankreich, wo er in Paris 1940 aufgegriffen, verhaftet und angeblich als Sondergefan-gener erst ins KZ Sachsenhausen und dann nach Buchenwald verbracht wird, wo er 1945 verstarb.

Hitlers frühe Förderer I.

um 1918 bis 1920 n. Chr.

Adam Glauer alias Sebottendorf

 

Glauer (* 1875, † vermutlich um 1945) nannte sich ab 1910 Rudolf von Sebottendorf und tauchte um 1918 erstmals in München auf. Glauer war ein preußischer Okkultist, der angeblich im Osmanischen Reich in die Freimaurerloge einge-führt wurde.

 

Glauer war Mitglied im völkischen Germanen-orden, der aus erheblichen Geldmitteln unbekannter Herkunft finanziert wurde. Im August 1918 gründete er im Hotel Vier Jahreszeiten den elitären Studienkreis, die Thule-Gesellschaft, als einen Geheimbund "für deutsche Art" als neuen bayerischen Ableger des sich auflösenden Germanenordens.

 

Bereits im Winter 1918/19 war der völkische Geheimbund von anfänglich 200, auf rund 1.000 Mitglieder angewachsen. Hierbei handelte es sich primär um bayerische Akademiker, Aristokraten, Richter, Anwälte, hohe Polizeibeamte, Bierbrauer und andere Geschäftsleute. Erklärtes Ziel war es, nicht nur die Novemberrevolution von Kurt Eisner und die Münchner Räterepublik, sondern auch den Kommunismus, die "jüdische Weltverschwörung", sowie die Zinsknechtschaft der Hochfinanz zu bekämpfen. Offiziell verlor die okkulte Gesellschaft bald an Bedeutung und wurde 1934 aufgelöst. Hitlers Mitgliedschaft in der Thule-Gesellschaft wurde nie bewiesen. Angeblich bestätigen aber Hochmeister des Rosenkreuzer-Ordens und Großmeister der Freimaurerloge, dass Hitler ein Eingeweihter des Thule-Ordens war.

Es war übrigens auch Glauer, der im Juli 1918 die Boulevardzeitung "Münchner Beobachter" kaufte und sie in "Völkischer Beobachter" umbenannte, um das Blatt zum Zentralorgan der Thule-Gesell-schaft zu machten. Erst 1921 übergab Hitler an Glauer 100.000 Mark in bar und übernahm damit das Propagandaorgan. Der Verkauf der Zeitung an den damals noch völlig unbekannten Hitler war eigentlich nicht zum Vorteil der Thule-Gesellschaft und daher spekulieren Historiker, ob es auf Grund eines Ordensbefehls erfolgt sein könnte.

Glauer gründete auch das Freikorps Oberland, ein Kampfbund, der bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik eingesetzt wurde. Im Januar 1919 beauftragte Glauer einen Sport-redakteur seiner Zeitung, Karl Harrer (ebenfalls Mitglied der Thule-Gesellschaft), mit der Gründung der Deutschen Arbeiterpartei.

Nach getaner Arbeit wurde Glauer 1919 gezwungen die Thule-Gesellschaft zu verlassen. Danach verliert sich immer wieder seine Spur - er reiste viel, hielt sich u.a. in den USA auf und publizierte esoterische und astrologische Bücher.

 

Nach der Machtergreifung der Nazis versuchte er seinen Einfluss im Buch "Bevor Hitler kam" positiv zu deuten und bezog dabei kritisch Stellung zu Hitler. Das Buch wurde daraufhin verboten und er des Landes verwiesen.

Angeblich ließ er sich danach wieder in der Türkei nieder und soll dort für den britischen Geheimdienst tätig gewesen sein. Gerüchten zufolge hat sich Glauer um 1945 im Bosporus das Leben genommen. Seine Todesursache blieb jedoch ebenso ungeklärt wie viele seiner Lebensumstände.

Glauer war einer der frühen Wegbereiter der NSDAP. Die Geheimgesellschaften und ihr Einfluss auf die Geschichte wurde von der Wissenschaft bis dato wenig beachtet, obwohl einige davon ausgehen, dass sie der Schlüssel für viele Geschehnisse sein dürfe.

München und die Anfänge des Nationalsozialismus

Dietrich Eckhart

Eckart (* 1868; †1923) war ein unbegabter, dicklicher Dichter, Dramatiker, sowie Literatur- und Theaterkritiker. In jungen Jahren war er angeblich depressiv, morphium- und alkoholsüchtig.

 

Erst 1915, im Alter von 47 Jahren, zog er nach Schwabing, wo er sofort in völkische Kreise u.a. zur Thule-Gesellschaft kam und dort mit schwarzmagische Riten vertraut gemacht wurde. 

Eckhart hatte sich schon früh einen nationalen "Retter" gewünscht und nach diesem Ausschau gehalten. "Am besten wäre ein Arbeiter, der das Maul auf dem rechten Fleck hat. Verstand braucht er nicht viel, die Politik ist das dümmste Geschäft der Welt." Auch sollte der Retter "Junggeselle" sein, um bei der weiblichen Wählerschaft zu punkten.

Den jungen V-Mann, Hitler, lernte Eckhart vermutlich im Herbst 1919, vielleicht im Schellingsalon kennen, wo Hitler jahrelang als Saufbruder und finanziell eher schlecht situierter Zechpreller bekannt war. In Hitler erkannte er sofort die Verkörperung seines Ideals. Als Adolf Hitler 1918 im Hofbräuhaus am Platzl im Festsaal im ersten Stock seine erste Rede schwang, war Eckhart noch nicht zugegen. Aber als 1920 ebenfalls im Hofbräuhaus die NSDAP gegründet wurde, war Eckhart dann an Hitlers Seite. Damals saß man oft zusammen im Hofbräuhaus, das sich zum Stammlokal der NSDAP-Mitglieder entwickelte.

Eckhart war 21 Jahre ältere als Hitler und es entwickelte sich eine Freundschaft mit einem Mentor-Schüler Verhältnis. Sein väterlicher Freund sah in Hitler scheinbar charismatische Fähigkeiten und postulierte ihn als kommenden Retter. Eckhart war es auch, der ihn Ende 1921 erstmals als „Führer“ bezeichnete. 

Als Hitler erkannte, dass für sein national-sozialistisches Projekt regelmäßige Propaganda von Nöten war, war es Vater Eckhart, der Kredite von knapp 120.000 Mark für die Übernahmen des Völkischen Beobachters Anfang 1921 aufbrachte. Auch ein Jahr später leihte Eckhart Hitler wieder Geld, um ihm zu ermöglichen, zwei Lastwagen zu kaufen. Eckart war es auch, der über den europäischen Geschäftsführer der Ford Motor Company (Warren C. Anderson) Kontakte zu Konzernchef Henry Ford* knüpfen und damit Überwei-sungen an Hitler und die NSDAP erwirken konnte. 

* Ein Gemälde von Henry Ford hing in der Münchner NSDAP-Parteizentrale. Hitler zeichnete Ford mit dem Großkreuz des Deutschen Adlerordens aus. Die Ford Werke stellten auch über 70.000 Transporter und fast 15.000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht her.

Eckhart konnte den verhängnisvollen Aufstieg Hitlers nicht sehr lange verfolgen. 1923, kurz nach dem Hitelputsch, erlitt er einen schweren Herzanfall und verstarb im Alter von 55 Jahren.

Eckhart war nach Hitlers Bekunden von größter Bedeutung für seinen Lebens-weg. 1925 widmete Hitler seinem engen Freund Eckart neben fünfzehn weiteren Kameraden sein Buch "Mein Kampf".

Eines der sehr wenigen Fotos von Karl Mayr vor dem Eingang zum Hotel Continental,

August 1919; veröffentlicht in Historisches Lexikon Bayerns