Stadtgeschichte München - Sitemap -  Literatur - Datenschutz © 2014-2018 by Munichkindl, München

München und die Anfänge des Nationalsozialismus

"V-Mann" Adi Schicklgruber - seine ersten Jahre

1913 bis 1919 n. Chr.

Um dem österreichischen Militärdienst zu entgehen, zog der junge Hitler 1913 ausgerechnet nach Schwabing und fand in der Schleißheimer Str. 34 ein Zimmer, direkt über der Schneiderei Popp. Er war mager, einfach gekleidet, wirkte etwas gehemmt und verfügte kaum über soziale Kontakte

 

Ins Meldeformular trug er "Architekturmaler aus Wien" ein und tatsächlich malte er fleißig, um seine Werke auf der Straße, in den Cafés und den Bierkellern anzubieten. Er spezialisierte sich auf Gebäude und malte Münchner Postkartenmotive vom Alten Hof, Alten Rathaus bis zum Siegestor. Obwohl er mit der Malerei mehr schlecht als recht über die Runden kam, mochte er seine neue Wahlheimat. Später berichtete er über die "innere Liebe" zu München und dass er "an dieser Stadt hänge, mehr als an irgendeinen anderen Flecken".

Abbildung: Adolf, der eigentlich Adi Schickl-gruber geheißen hätte, wenn nicht sein Vater, Alois, den Nachnamen abgelegt hätte, bietet seine Aquarelle zum Verkauf an, gezeichnet von Munichkindl

Der junge Hitler war politisch wenig bis gar nicht interessiert und es gab auch keine Anzeichen dafür, dass

er antisemitisch, antikommunistisch oder sonst irgendwie anti eingestellt war. Wenn er nicht seine Aquarelle mal- te  oder zum Kauf anbot, saß er in Schwabinger Kaffeehäusern und las dort gratis die ausgelegte Tagespresse.

Als am 2. August 1914 der Erste Weltkrieg kurz bevorstand, jubelte Hitler mit Tausend anderen begeistert vor der Feldherrnhalle und beantragte (obwohl zuvor in Salzburg offiziell ausgemustert) fürs bayerische Heer in den Krieg ziehen zu dürfen - was ihm natürlich genehmigt wurde. Erst im Dezember 1918 war der unsinnige Krieg endlich beendet und Hitler kam mit dem zweiten Bayerischen Infanterie-Regiment zurück nach München, wo er weiter im Dienst des Militärs blieb,

Nach der feigen Ermordung von Kurt Eisners eskalierten in München die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der parlamentarischen Demokratie und einer bayerisch-sozialistischen Republik. In der Prannerstraße regierte kurz eine SPD-dominierte Koalitionsregierung mit dem Bayerischen Bauernbund, doch dann wurde vom revolutionären Arbeiterrat am 7. April 1919 die Bayerische Räterepublik ausgerufen. Nur wenige Wochen später wurde die rätesozialistische Republik sowohl von rechtsnationalistischen Freikorps als auch von SPD-geführten Reichswehrverbänden blutig niedergeschlagen. Es kam zu heftigen Kämpfen, am Stachus, dem Hauptbahnhof und in Sendling sowie Giesing. Bei der Niederschlagung und in der darauffolgenden Terrorwoche starben fast tausend Menschen in den Münchner Straßen.

 

Der junge Soldat Hitler durfte zu dieser Zeit Spitzeldienste für eine militärische Untersuchungskommission ausführen. Diesen Job erledigte er scheinbar zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, da er bereits einige Monate später als V-Mann bei der Nachrichten- und Aufklärungsabteilung des Gruppenkommandos IV. (München) anheuern konnte. 

 

Hätte Hitler doch nur die Aufnahmeprüfung der Wiener Kunstakademie bestanden oder wäre er doch besser nach Berlin gefahren, vielleicht wäre der Welt einiges erspart geblieben? Aber nein, ausgerechnet nach München muss er kommen. In dieser damals etwas verwirrten Stadt war eine deutlich antikommunistische und nationalvölkische Stimmungslage, so dass sich in den 20er Jahren der rasante Aufstieg des verhinderten Kunstmalers und V-Mannes zum "Führer" vollziehen konnte.

Am 12. September 1919 erhält Hitler den offiziellen Befehl eine Parteiveranstaltung der Deutschen Arbeiter Partei zu besuchen, so dass sich Hitler kurz darauf von dieser damals völlig unbedeutend Partei anwerben lässt. Die DAP hatte seinerzeit weder viele Mitglieder noch finanzielle Mittel - in der Parteikasse befinden sich angeblich gerade mal 7 Mark und 50 Pfennig.

Ist es nicht erstaunlich, wie aus dem Nichts eine unbedeutende Partei mit der Hilfe eines noch viel unbedeutenderen V-Mannes innerhalb eines Jahrzehnts zu einer solchen Massenbewegung werden konnte?

Interessanterweise waren viele Hitlers frühen Förderer und Finanziers keine echten Münchner, sondern alle samt Wahlmünchner, die wie die Motten vom Licht angezogen wurden. Aber wer waren eigentlich diese damaligen Akteure?

Fotografie: Hitler jubelnd im August 1914 vor der Feldherrnhalle an der Theatinerkirche 

Daneben Hitler mit seinem Kameraden im ersten Weltkrieg 1918 und wiederum daneben (im wahrsten Sinn des Wortes) ein Foto aus der Serie  'Hitler in Haferlschuh und Lederhosen' von Heinrich Hoffmann, die erst 2012 wieder aufgetaucht ist und übrigens im Dritten Reich verboten war (Quelle: BNPS)