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Dr. Max Erwin Richter

 

Max Richter (*1884; † 1923 in München) war während des Ersten Weltkrieges sowohl als russischer Agent, als auch als deutscher Diplomat und Vizekonsul in der Türkei tätig. 1912 heirate Richter eine fast dreißig Jahre ältere Aristokratin und ließ sich von da an als Pseudoadliger "von Scheubner-Richter" nennen.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich Richter einem Freikorps an und beteiligte sich im März 1920 an einem Putsch gegen die Weimarer Republik in Berlin, der jedoch scheiterte und ihn zur Flucht (ausgerechnet nach München) zwang.

 

Scheubner-Richter zog an die Isar (in die Widenmayerstraße), wo er im Oktober 1920 Hitler kennenlernte und so zu seinem wichtigsten Finanzier wurde. Von Scheubner-Richter hatte wertvolle und weitreichende Verbindungen zu reichen Russland-Emigranten, Ölmagnaten und anderen Industriellen, zur Katholischen Kirche und zu Aristokraten wie zum Beispiel zu den Wittelsbachern.  

 

Mit großem Geschick sammelte er in seinem Netzwerk Gelder für die NSDAP und vermittelte Hitler den Kontakt zu Fritz Thyssen, dem deutschen Großindustriellen und Stahlmagnaten, der zu einem der ersten Großspender wurde.

 

Selbst die im Pariser Exil lebende russische Großfürstin, deren Familie Ansprüche auf den Zarenthron geltend machte, konnte Richter dazu bewegen, Juwelen zugunsten der neugegründe-ten NSDAP zu spenden. Die Exil-Russen sollen insgesamt sogar eine halbe Million Mark auf sein Zutun an die Partei überwiesen haben - was übrigens exorbitant viel war, denn selbst ein Einfamilienhaus kostete damals nur ein paar Tausend Mark.

Am 8. November 1923 fuhr  Richter persönlich hinaus zur Prinz-Ludwigshöhe bei Solln, um dort Erich Ludendorff, den damaligen Führer der rechtsradikalen Kräfte, mit dem Auto abzuholen. Richter und Ludendorff trafen sich im Münchener Bürgerbräukeller mit den dort versammelten "Aufständischen". Am Morgen darauf schritt Richter mit Hitler, Ludendorff, Göring & Hess und einigen Weiteren, schlecht ausgerüstet in einem schlecht organisierten Marsch zur Feldherrnhalle. Richter und Hitler hatten sich untergehakt, als Sie an den Bronzelöwen vor der Residenz vorbeischritten.

 

Am Odeonsplatz  kam  es  dann  zur  Schießerei, bei der der treue Scheubner-Richter und elf weitere Putschisten, sowie vier Polizisten verstarben. Wenn Hitler im Kugelhagel der bayerischen Polizei doch nur getroffen worden wäre, hätte sich das Schicksals Münchens, Bayerns, Deutschlands und der ganzen Welt vielleicht ganz anders entwickelt?

 

Hitler sagte einmal: "Alle sind ersetzbar, nur einer nicht: Scheubner-Richter!" Wäre Richter anfänglich nicht so geschickt beim Auftreiben der vielen Spenden gewesen, wäre eine finanz-schwache NSDAP vielleicht auch ganz schnell in der Bedeutungslosigkeit verschwunden?

Hitlers frühe Förderer II. 

um 1918 bis 1920 n. Chr.

München und die Anfänge des Nationalsozialismus

Erich Ludendorff

Ludendorff (* 1865; † 1937 in München) entstammte einer pommerschen Kaufmanns- und einer preußischen Adelsfamilie. Er zog mit seiner zweiten Frau auf die Prinz-Ludwigshöhe bei München-Solln.

Ludendorff war Offizier der preußischen Armee, er sprach russisch und es gehörte zu seinen Aufgaben den Aufmarsch im Kriegsfall vorzuberei-ten. Bis 1908 war er Oberleutnant, wurde 1911 zum Oberst und ab 1913 zum Kommandeur ernannt. Seine steile Karriere bis zur Obersten Heeresleitung verlief stets in Norddeutschland, mit Bayern und München hatte er nichts zu schaffen.

Nach der Entmachtung des Reichskanzlers konnte er sich einen guten Ruf erwerben und war kurze Zeit schon der eigentliche Machthaber im Deutschen Reich, doch verlor er 1918 wieder Einfluss in Berlin. Er floh nach Schweden und wurde nach seiner baldigen Rückkehr zu einer führenden Figur in völkischen Kreisen.

Über seinen alten Bekannten, Max Richter, lernte Ludendorff den Gefreiten Hitler kennen, den er als seiner völlig unwürdig ansah. Da Hitler jedoch einflussreiche Freunde hatte und er Willens schien einen Putsch durchzuführen, stimmte er schließlich zu und ließ sich von Richter in der Nacht vom 8. August 1923  abholen. Ludendorff sollte mit Hitler in München die Reichsregierung stürzen und die Macht an sich reißen - so der Plan.

Als sie auf die Feldherrnhalle zuschritten, sah Hitler in Ludendorff noch den eigentlichen Führer aller deutsch-völkischen Kräfte. Hitlers schlecht organisierter Putschversuch misslang und Ludendorff wurde auf Grund seiner hohen Verdienste im Ersten Weltkrieg freigesprochen, während Hitler in Festungshaft genommen wurde.

1925 trat Ludendorff als Kandidat zur Reichspräsi-denten-Wahl an. Da Hitler zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal deutscher Staatsbürger war, durfte er auch nicht an der Wahl teilnehmen. Ludendorffs Ergebnis war mehr als nur nieder-schmetternd: noch nicht mal 1,1% der Stimmen konnte er erringen. Nach dieser Wahlschlappe wurde Hitler zum alleinigen Führer der Rechtsradikalen in der Weimarer Republik.

Ludendorff zog sich aus der Politik zurück und sah das desaströse Wahlergebnis als „Wirken überstaatlicher Mächte“. Er meinte damit den Jesuitenorden, die Freimaurerlogen, sowie die Kommunisten, die eng verknüpft mit zionistischen Juden, die "Geschicke der Menschheit" über die Kapitalmärkte regelten. Ludendorff  vermutete auch im ungerechtfertigten Machtzuwachs Hitlers einen jüdischen Komplott. Ludendorffs esoterische und energetische Verschwörungs-theorien wurden damals von einer breiten Mehrheit der Deutschen geteilt und so blieb er ein "deutscher Nationalheld", der von den Nazis verehrt und  unbehelligt blieb.

Heute sind sich die meisten Historiker einig, dass Ludendorff "bizarr und paranoid", "partiell unzurechnungsfähig" und von „germanisch-depressivem Irresein" befallen war.

In einem Brief an Hindenburg schrieb Ludendorff am 1. Februar 1933, dass Hitler „unser Reich in den Abgrund stoßen, unsere Nation in unfaßliches Elend bringen“ wird. Ob und warum Ludendorff tatsächlich diese Weitsicht hatte, sollten Historiker der kommenden Generationen untersuchen.

Elsa Bruckmann

Elsa Bruckmann geb. Prinzessin Cantacuzène (* 1865 in Österreich rumänischer Herkunft; †1946) war die temperamentvolle und  umtriebige Ehefrau des Münchner Verlegers Hugo Bruckmann.

1898 zieht sie nach München und eröffnet ein Jahr später ihren Münchner Salon, bei dem sich gesellschaftlich einflussreiche Personen aus Wirtschaft und Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur jeden Freitag zu einem Jour-Fix trafen. Bis 1908 kam man zunächst im Verlagshaus in der Nymphenburger Straße 86 zusammen, in den Jahren danach traf man sich im Prinz-Georg-Palais (heutige Geschäftsstelle des bayerischen Sparkassenverbands) am Karolinenplatz 5, dem Platz mit dem schwarzen Obelisken.

Das Who-is-Who der Münchner Gesellschaft (inkl. Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal und anfänglich auch Thomas Mann) war zugegen als zwischen Gobelins und Plüschsesseln Häppchen gereicht wurden und gerne deutschnationale und antisemitische Texte zum Vortrag gebracht wurden. 

 

Ein Teilnehmer der frühen Treffen, der Germanist Friedrich von der Leyen, sagte schon damals zum Münchner Salon: „Es war eigentlich etwas nicht Münchnerisches in diesem München.“

Elsa Bruckmann, die Salonnière, durfte Hitler erstmals 1920 bei einer Parteiveranstaltung im Circus Krone kennenlernen und verfiel dem jungen Hitler, der ganz wie sie gesinnt war. Bruckmann nahm sofort Kontakt zu ihm auf, führte ihn in die Münchner Gesellschaft ein und schwärmte geradezu von ihm. Als sie Hitler nach dem Putsch an der Feldherrnhalle im Gefängnis besuchte, notierte sie: „Nun trat mir – in der bayerischen kurzen Wichs und gelbem Leinenjöpperl – Adolf Hitler entgegen: einfach, natürlich und ritterlich und hellen Auges!“

Elsa Bruckmann kaufte Hitler schöne Lack-schuhe und Abendgarderobe, lehrte ihm Tischmanieren, Auberginen zu essen und Hummer richtig zu zerlegen, gerade zu stehen, nicht herumzuzappeln und den Handkuss nur anzutäuschen. Es war Elsa Bruckmann, die den jungen, österreichischen Gefreite und Kunstmaler, der seine Zuhörerschaft bis dato ausschließlich in muffigen Bierhallen fand, erst salonfähig machte. 

 

Hätte sich Elsa Bruckmann nicht als frühe Gönnerin für Hitler eingesetzt, wäre ihm vielleicht der gesellschaftliche Aufstieg verwehrt, zumindest aber erschwert worden. Vielleicht wäre Hitler ohne Elsa lediglich ein nicht ernstzunehmender Krawallpolitiker der Bierhallen geblieben?