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Vorgeschichte Münchens

Besiedlung des Münchner Stadtgebietes vor dem Brückenschlag

750 bis 900 n.Chr.

Abbildung (unten): Blitzangriff der Magyaren auf die Fliehburg der Schäftlarner Mönche

Von Nord nach Süd:

Dahauua/Dachau,

Sliusheim/Schleißheim,

Yserrain/Ismaning,

Feld mohinga/ Feldmoching,

ad Freddamaringun/ Fröttmaning,

Ahaloh/Allach,

Menzinga/Menzing,

Mosaha/Moosach,

ad Friemannum/ Freimann,

Curtis Veringa/Föhring,

Husun/Hausen (als Ortsteil von Kirchheim),

Suuapinga/Schwabing, Ascraim/Aschheim (Heim bei der Esche),

Ubingun/Aubing,

villa Pasingas/Pasing,

Pupinhusing/ Bogenhausen,

Veldkirchen/Feldkirchen (Kirche auf dem Feld), Lohhusa/Lochhausen, Haidhusir/Haidhausen,

ad Pouminunchirihum (auf Baumstämmen gefertigte Kirche)/ Baum-kirchen in Berg am Laim/ad Perke,

Kyesinga/Giesing,

Rumotes/Ramersdorf, Sentilinga/Sendling, Chrowillinga/Krailing, Hadaleichingen/ Harlaching,

Perlalohe/Perlach,

villa Piburc/Biberg,

Solen/Solln,

Goutingen/Gauting, Derbolfinga/Grünwald, Hahilinga/Haching, Luicilstat/Leutstetten, Laufzorn (als Sammel-platz für erlegtes Wild),

Schofflarn/Schäfftlarn

 

Abbildung von Munichkindl mit Wegesystem nach Stahleder/Behrer in 'Das unterirdische München' (2001)

750 n. Chr. wurde erstmals Oberföhring als „ad Feringas“ und später als "Curtis (Hof) Veringa" - dem Ort bei den "Leuten mit den Fähren", den Fergen, die schon zur Urzeiten den Fuhrleuten bei der Isarüberquerung behilflich waren - genannt.

 

In der spärlich besiedelten und kaum bewaldeten Münchner Schotterebene ließen sich schließlich immer mehr Menschen nieder. Die keltisch-germanischen Ansiedlungen entwickeln sich zu kleinen Ortschaften. Neben den bestehenden Siedlungen entstehen neue Dörfer. Bei den urkundlichen Erwähnungen folgten 763 n. Chr. Pasing als „villa Pasingas“ (bei den Leuten des Paso) und Gräfelfing, 768 n. Chr. Bogenhausen als „Pupinhusir“ (bei den Häusern des Pubo oder Pupi), Trudering 772 n. Chr. als "Truhtheringa" (bei den Leuten des Truhther), Allach  774 n. Chr. als "Ahaloh" (Lichter Wald am Fluß), 779 n. Chr. Sendling als „Sentilinga“ (bei den Leuten des Sentilo), 782 n. Chr. Schwabing als „Suuapinga“ (Swapo mit seinen Leuten), 782 n. Chr. (Ober- und Unter) Menzing als "Menzinga" (den Mannen von Manzo) und ebenfalls 782 n. Chr. Moosach als "Mosaha" (Fluß am Moor), 790 n. Chr. Giesing als „Kyesinga“ (bei den Leuten des Kiso), 790 n. Chr. Feldmoching als "Feld mohinga" (bei den Leuten des Mocho wohnhaft am Feld), 790 n. Chr. Perlach als "Peralohc" (Lichter Wald mit (Sau-) bären), usw.

 

Die erste urkundliche Erwähnung hat nur bedingt etwas mit dem Alter des Ortes zu tun. So weiß man z.B. daß auch sich Ubo mit seinen Leuten im Münchner Raum bereits um 500 n. Chr. niedergelassen hat. "Ubingun" (Aubing) wurde jedoch erst 1010 schriftlich erwähnt. 

 

Grundsätzlich zählen alle Ortschaften, die auf "ing" enden, zu den frühesten mittelalterlichen Siedlungen. Bis 800 entstanden die meisten Münchner Ortsteile. Nur wenige Stadtviertel wurden später gegründet. Wie der Name schon besagt, ist Neuhausen ("Niwenhusen" - bei den neuen Häusern) erst später, und zwar 1164 hinzu-gekommen.

 

Nahe des heutigen Marienplatzes siedelten einige Mönche und Gefolgsleuten der Grafen von Andechs. Eine früher angenommene Verbindung zum Kloster Tegernsee (746 gegründet) gilt heute als unwahrscheinlich, vielmehr scheint es wahrscheinlicher, dass die Mönche vom Kloster Schäftlarn kamen.

 

Die Region um das spätere Munichen war ein eher unbedeutendes Gebiet. Nur einmal hielt der baierische Herzog Tassilo III. (*um 741; † um 796) als 15jähriger eine Synode in Ascraim (Aschheim). Das baierische Herzogtum endete damals im Norden an der Donau und im Westen bei Augsburg, in den südöstlichen Alpen besiegte Tassilo die Slawen und der südlichste Teil Baierns umfasste sogar Kärnten. Tassilo regierte bis 787 wie ein König, ohne sich jedoch so zu nennen, und wurde schließlich von seinem Vetter, Karl dem Großen, als letzter baierische Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger abgesetzt und ins Kloster verbannt.

 

Der Freisinger Domkleriker und Benediktinermönch Waltrich besaß südlich vom heutigen München im Isartal nicht unweit zu der südlichen Römerstraße beträchtliche Ländereien. Dort gründete er 762 das Kloster Schäftlarn. Der dadurch entstandene Ort Hohenschäftlarn wird erstmals 778 erwähnt. Das Ur-Kloster war damals als Fliehburg für Mönche und die umliegende Bevölkerung konzipiert, dennoch hielt es nicht einem Blitzangriff der Magyaren (heidnischen Reiterkriegern aus Ungarn) stand und fiel irgendwann zwischen 900 und 955 den Flammen zum Opfer. Nachdem Kloster Schäftlarn zerstört war, vielleicht aber auch schon davor, begannen die Mönche im umliegenden Gebiet zu siedeln. Für Klöster war es grundsätzlich nicht unüblich klösterliche Niederlassungen, also weitere Mönchssiedlungen, zu gründen. So kam es, dass vermutlich auf dem Petersbergl eine Kirche erbaut wurde und an der Stelle der heutigen Michaelskirche ein Mönchsniederlassung vom Kloster Schäftlarn entstand.

Abbildung: Tassilo III., der letzte baierische Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger