München im Barock

Der glücklose, gichtige Kaiser ohne Land

1726 bis 1745 n. Chr.

Karl Albrecht (*1697; † 1745 in München) wurde in Brüssel geboren, wo er die ersten Jahre aufwuchs, bevor er mit seinen Eltern an den Hof zu München zog. Damals lebten etwa 24.000 Münchner in der Stadt und in der Theatinerstraße hatte gerade der gebürtige Franzose, Brieder, als erster Münchner Kaffeesieder, sein Lokal geöffnet.

 

Der Vater von Karl Albrecht, Max Emanuel, der blaue Kurfürst, musste 1706 ins französische Exil und auch seiner Mutter wurde nach einem Wellness-Aufenthalt in Venedig von den Österreichern die Durchreise nach Baiern verweigert. Da seine Eltern, der eine in Frankreich, die andere bei ihrem Liebhaber in Italien, zehn Jahre im Exil lebten, sah Karl Albrecht die beiden erst als 17jähriger wieder. Erst ab 1715 lebte die kurfürstliche Familie wieder vereint in München. Seine Zeiten des Schwermutes waren vorbei, als man Karl Albrecht als "violenten jungen Tollhans, der viel Inclination für Weiber und Wein habe" beschrieb.

 

Nach dem Tod seines Vaters wurde Karl Albrecht schließlich 1726 Kurfürst. Wie schon sein Vater hatte auch er nur ein Ziel: Baiern muss endlich eine Großmacht werden.

 

Zuvor galt es aber den Staatshaushalt in den Griff zu bekommen. Nachdem aus Sparzwang über 500 edelste Reitpferde und 2.000 Jagdhunde um die Ecke gebracht wurden, kürzte er die Beamtengehälter und entließ einen ganzen Tross an Hofmusikanten. Selbst bei den Kerzen wurde fortan gespart. Hier ordnete er an, dass aus dem Wachs der Stümpfe neue Kerzen gezogen werden.

 

Während 1727 erstmals die Bezeichnung "Münchner Kindl" für den Mönch im Stadtwappen nachzuweisen ist und mittlerweile sieben Kaffeehäuser sich einer großen Beliebtheit erfreuten, hält der Kurfürst prunkvoll Hof in der Residenz. Dort ließ er sowohl die "Reichen Zimmer" als auch die "Grüne Galerie" von François Cuvilliés (dem ehemaligen Kammerzwerg seines Vaters) einrichten. 1727 lässt seine kleine, lebenslustige Gemahlin, Kurfürstin Amalie, im Lehel den Grundstein von Sankt Anna legen. Beim Ausschmücken dieser Kirche arbeiten erstmals die Asam-Brüder in München, der Maler Cosmas Damian und der Stukkateur Egid Quirin. Kurfürst Karl Albrecht plante zu dieser Zeit auch die "Karlstadt", eine neue Vorstadt beim Nymphenburger Schloss. Nach den Plänen des Dachauer Hofgärtnersohns, Hofbaumeister Josef Effner, sollte das Schloss, Rondellbauten und 26 Gebäude beiderseits des Schlosskanals den Kern dieser Karlstadt bilden. Das Vorhaben der "Karlstadt" gedieh jedoch über die Grundsteinlegung und den Bau einiger Gebäude an den Auffahrtsalleen nicht hinaus.


Unabhängig davon, dass Baiern immer noch maßlos überschuldet war, rüstete der Kurfürst seine Armee kräftig auf und stellte unentwegt die Forderung Baiern zum Königreich zu erheben.

Nach dem Ableben des österreichischen Kaisers (1740) begann ein Erbfolgekrieg, wobei sich Karl Albrecht einem Bündnis mit den Spaniern, Preußen und den Franzosen anschloss, um gegen Österreich zu Felde zu ziehen. Er sah sich als legitimer Nachfolger, da er mit einer Habsburger Tochter verheiratet war und der verblichene Kaiser nicht rechtzeitig für einen männlichen Nachfolger sorgte. Da nicht er, sondern mit Maria Theresia erstmals eine Frau die Regierung in Wien übernahm, wollte er den Griff nach der Habsburger Krone mit Gewalt durchsetzen. Die baierischen Truppen nahmen daraufhin Oberösterreich ein und marschierten Richtung Wien, als sich die Franzosen unerwartet zurückzogen. Da die Truppen bereits vor Ort sind, wird einfach umgeschwenkt, so dass die baierische Armee Prag einnimmt und Karl Albrecht sich nebenbei zum böhmischen König krönen lässt. Nachdem nun auch die Preußen einen Waffenstillstand mit Österreich schließen, wendet sich plötzlich das Blatt und die Habsburger gewinnen wieder die Oberhand.

Abbildung: Karl Albrecht als ein Rokokofürst des Spätbarock mit seiner mit Reis- und Weizenpuder schneeweiß gestäubten und parfümierten Perrücke, in der sich Wanzen und Milben zu Hause fühlen. Er war elegant und liebenswürdig im Auftritt, ein Mäzen der bildenden Künste und Musik, der der Jagdleiden-schaft verfallen war. Hier stehend vor einem Gemälde von George Desmarées (1697 - 1776), Standort im Schloss Berchtesgaden

 

 

Anstelle die Verteidigung Münchens vorzubereiten, entschließt sich Karl Albrecht zu einem wohl besonders bizarren Schritt: In aller höchster Gefahr reitet er nach Frankfurt, um sich dort für die Kaiserwahl zu bewerben und tatsächlich schafft er es, die Mehrheit der Kurstimmen auf sich zu vereinigen. Er wird zum Kaiser Karl VII. gewählt, aber seine Begeisterung über die prunkvolle Kaiserkrönung (1742) hielt sich in Grenzen. Er notierte in sein Tagebuch: "Meine Krönung ist gestern vor sich gegangen mit einer Pracht und einem Jubel ohne gleichen, aber ich sah mich zur gleichen Zeit von Stein- und Gichtschmerzen angefallen – krank, ohne Land, ohne Geld..."  Und in der Tat war er ein Kaiser ohne Land, da die Habsburger-Truppen die glücklosen Baiern bezwangen und zwei Tage nach der Kaiser-krönung gefürchtete ungarische Reiterscharen sogar in München einzogen. Das Lehel wird gebrandschatzt und geplündert. Der neugewählte Kaiser musste daher nicht nur auf die habsburgischen Länder verzichten, sondern verlor auch sein eigenes Heimatland. So lebte Karl VII., zwar als großer Kaiser, aber völlig machtlos und gichtig im Frankfurter ExilEine Markgräfin urteilte über ihn: "Er hätte ein besseres Schicksal verdient. Er war sanft, menschlich, leutselig und besaß die Gabe, die Herzen zu gewinnen. Sein Ehrgeiz war kühner als sein Genius. Wohl war er ein Mann von hohem Geist, aber Geist allein macht den Mann nicht groß."

 

Erst im Oktober 1744 durfte er unter dem Geläut von Frauenkirche und vom Altem Peter, sowie den Jubelrufen der Münchner in seine Residenzstadt einziehen. Aber keine drei Monate später, noch während des Krieges, verstarb Kaiser Karl VII. an der Gicht.

 

Sein Sohn, Kurfürst Max III. Joseph, schloss im April 1745 mit den Österreichern Frieden und beerdigte ein für allemal die Großmachtansprüche Baierns.

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