Baiern wäre viel erspart geblieben ohne den Blauen Kurfürsten, einem Egozentriker mit mittelmäßigem Geist

1679 bis 1726 n. Chr.

1679, nach dem Tode des Vaters, wird Max Emanuel (* Juli 1662 in München; † Februar 1726 ebenda)  Kurfürst von Baiern. 

 

Während sein Vater stets versuchte Baiern aus den Kriegen herauszuhalten, rückte Max Emanuel schnell von der friedlichen Neutralitätspolitik ab. Als er im März 1681 bei einer Wallfahrt nach Altötting den österreichischen Kaiser Leopold I. kennenlernte, waren die Differenzen zwischen Wien und München schnell ausgeräumt. Als dann 1682 die Türken Wien und danach Ofen bei Budapest belagerten, hielt Max Emanuel auf der Heide zwischen München und Freimann ein Manöver ab und kam dann mit 11.300 baierischen Soldaten den Nachbarn zu Hilfe. Auf dem Schlachtfeld des Großen Türkenkrieges bekam Max Emanuel,  als "Blauer König" seinen Spitznamen verpasst -  er trug als tapferer Feldherr in vorderster Front gegen die Osmanen stets eine auffällige, blaue Uniformjacke. 1688 befreite er mit seinen Truppen schließlich Belgrad von der türkischen Belagerung und wurde daraufhin als großer "Türkenbezwinger" gefeiert. Es wurde Mode besiegte "Beutetürken" in die baierische Heimat zu verschleppen und so gab es Ende des siebzehnten Jahrhunderts in München eine Vielzahl türkischer Sänftenträger oder exotisch gekleideter Hoflakaien osmanischer Herkunft. 1700 sind noch 16 "türkische Sklaven" in München nachweisbar, die teilweise in der gegründeten Sesselträgerzunft organisiert waren. Noch heute erinnern die Belgrad- und Türkenstraße an diese Tage. In der Maxvorstadt sind überhaupt viele Hinweise z.B. das Türkentor, wo ehemals die Türkenkaserne stand (neben dem Museum Brandhorst), oder die Gaststätte Türkenhof bzw. das frühere Kino Türkendolch. 

 

Als Dank für sein Engagement beim Sieg gegen die Türken stimmte der österreichische Kaiser, Leopold I. sogar zu, dass Max Emanuel 1685 seine Tochter Maria Antonia ehelichen konnte. Maria Antonia war nicht besonders schön, eher hässlich, und ihre Ehe war leider unglücklich, aber für den Kurfürsten von strategischer Bedeutung. Max Emanuel schenkte seiner Gattin kaum Beachtung und ließ sie von der Obersthofmeisterin beaufsichtigten. Für ihn war es ausschlaggebend, dass nach dem Tod des spanischen Königs seine Gattin zur möglichen Erbin des spanischen Throns wurde und so auch er in ihrem Namen das spanische Erbe beanspruchen konnte.

 

Schlachten und Kriege machten Max Emanuel großen Spaß. 1690 kämpfte er am Mittel- und Oberrhein nun gegen die Franzosen und kurz darauf sprang er im Piemont den Spaniern zur Seite. Als Dank hierfür ernannte man 1691 Max Emanuel zum Generalstatthalter der spanischen Niederlande (dem heutigen Belgien). Im Frühjahr 1692 siedelte er mit großem Gefolge (jedoch ohne seine damals schwangere Gattin) dorthin um. Der Münchner Staatsrat beobachte mit großem Unbehagen wie sich ihr Kurfürst immer mehr von Baiern abwandte. All die Kriege fern der Heimat und die teure Hofhaltung in Brüssel belastete massiv die baierische Staatskasse.

 

Den Trennungsschmerz zu seiner Maria Antonia, die in freudiger Erwartung war, linderte der blaue Kurfürst mit amourösen Abenteuern. Sein Motto war "das Evangelium der Liebe ist die Abwechslung."

 

Während sich Max Emanuel in Brüssel vergnügte, starb kurz nach den Strapazen der Geburt vom Sohn, Joseph Ferdinand Leopold, die Erzherzogin entkräftet in Wien. Maria Antonias späte Rache bestand darin, dass sie ihren gesamten Privatbesitz nicht etwa ihrem Mann, sondern ihrem neugeborenen Sohn überschreiben ließ und ferner hatte sie verfügt, dass im Falle eines frühzeitigen Todes ihres Sohnes ihr Vater das Erbe antreten sollen. Dumm gelaufen also für Max Emanuel, als sein wichtigster Sprössling, der potentielle Erbe Spaniens, dann tatsächlich im Alter von Sechs an einer bösartigen Magenentzündung verstirbt. Als der kleine Prinz im Februar 1699 erblasst, bricht der Kurfürst ohnmächtig zusammen, aber wohl eher aus dem Verlust des verlorenen Erbes von Spanien, als um die ehrliche Trauer um seinen Sohn.

 

Max Emanuel hatte gehofft (auch ohne Sohn) zumindest einen Teil vom spanischen Erbe zu ergattern, tatsächlich wurde er aber gänzlich übergangen und sein Neffe wurde zum Universalerben des spanischen Weltreichs eingesetzt. Darauf kam es wieder zu einem Krieg. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701) schlug sich Max Emanuel diesmal auf die Seite des eigentlichen Erzfeinds, den Franzosen. Und so kam es, dass seine baierischen Truppen als Verbündete der Franzosen in Ulm und Augsburg oder Tirol gegen die österreichischen Habsburger zu Felde ziehen mussten. 1704 kam es zur entscheidenden Schlacht bei Höchstadt an der Donau, die Max Emanuel mit Pauken und Trompeten verlor. Aus dem beinahe König wurde ein Regent ohne Land. 1704 wurde Baiern von den Kaiserlichen (Österreichern) besetzt und Max Emanuel wurde des Landes verwiesen.

Abbildung: Max Emanuel der blaue Kurfürst mit repräsentativer Prachtperücke dargestellt vom Munichkindl (2015), darunter Künstler unbekannt

München im Barock

Die baierische Bevölkerung litt massiv unter der österreichischen Besatzung. Man musste ständig neue Sondersteuern schultern und Zwangsrekrutierungen ertragen. An Weihnachten 1705, entlud sich der Leidensdruck in der Sendlinger Mordweihnacht, die jedoch blutig niedergeschlagen wurden. Von dem Aufstand seiner ehemaligen Untertanen gegen die Habsburger bekam der blaue Kurfürst in seinem belgischen Exil gar nichts mit.

 

Im französischen Exil ernannten man Max Emanuel 1711 zum Herrscher der spanischen Niederlande. Hierbei war er völlig auf die Gnade der Franzosen angewiesen und schließlich, man kann es kaum glauben, verhandelte er tatsächlich mit den Österreichern über einen Tausch Baierns gegen Sardinien, Mailand und Mantua

 

Nach über 15 Jahren im Exil kehrte Max Emanuel wieder nach Baiern zurück. Es wurde Friede in Europa geschlossen. Obwohl man Max Emanuel nicht an den Friedensverhandlungen beteiligt hatte, durfte er Baiern behalten. Auf all seine phantastischen Herrscheransprüche gingen die Großmächte mit einem genervten, aber milden Lächeln, hinweg.

 

Die Habsburger zogen ab und München freute sich seinen alten Kurfürsten wieder begrüßen zu dürfen.

 

Schloss Schleißheim Schloss Fürstenried In der zweiten Regentschaftszeit nahm er den während des Krieges eingestellten Bau von wieder auf, ließ durch Josef Effner das erbauen und das Schloss Nymphenburg großzügig im französischen Stil umgestalten.

 

Max Emanuel hatte eine schiefe Hakennase und eine hängende Unterlippe. Er war Egozentriker mit mittelmäßigem Geist, der größten Spaß an der Kriegslust und bei den Frauen fand. Insgesamt hatte Max Emanuel mindestens siebzehn Kinder von zwei Ehefrauen und drei Mätressen. Die wahre Anzahl der Kinder wird vermutlich deutlich höher gelegenen haben. 

 

Baiern verschuldete er mit 26 Millionen Gulden und belaste damit den Baierischen Haushalt bis ins 19.Jahrhundert hinein. Für Baiern war es eine Erlösung als Max Emanuel 1726 einem Magenleiden erlag. Bestattet wurde der Barockfürst in der Fürstengruft der Theatinerkirche. 

 

Stadtgeschichte München - Sitemap -  Literatur - Datenschutz © 2014-2018 by Munichkindl, München