Gründung Münchens

Heinrichs Brückenschlag am 'gachen Steig'

1156 bis 1158 n.Chr.

Im Jahr 1156 ließ Heinrich der Löwe an der Furt am "gachen Steig" (Gaststeig) eine Brücke über die Isar etwa bei der heutigen Ludwigsbrücke beim Deutschen Museum errichten. An dieser Stelle  verliert die Isar durch Inseln und Mäander ihre Tiefe, so dass man dort wahrscheinlich schon immer zu Fuß queren konnte. 

 

Als Heinrich am Ufer rechts der Isar stand, war auf der gegenüberliegenden Uferseite etwa 1000 Meter entfernt vermutlich die Siedlung von Gefolgsleuten der Grafen von Andechs, die auch in enger Beziehung zu dem Bischof von Freising standen. Als Amtssitz stand ihnen eine Burg zu, die anfänglich ein hölzener Turm war, der vermutlich von Palisaden oder einem Wassergraben geschützt war und später zu einem steinernen, achteckigen Wohnturm ausgebaut wurde. Diese Hofstatt war nicht unweit vom heutigen Marienplatz am Altheimer Eck und ist im Sandtner'schen Stadtmodell (von 1572) nachgewiesen. Althaim war also eine Siedlung, die im heutigen Zentrum Münchens stand, lange bevor München von Heinrich dem Löwen gegründet wurde. Daher kommt nicht nur der Knick in der Straßenführung am Altheimer Eck, sondern auch der Name das "Alte-Heim", also "Alt-München".

 

Neben den Andechsern bestand vermutlich bei der heutigen Michaelskirche auch eine Mönchssiedlung vom Kloster Schäftlarn. Wobei nichtmal sicher ist, ob 1156 diese Klosteranlagen noch besiedelt war, oder ob "Munichen" bereits eine feststehende Ortsbezeichnung darstellte, die auf eine frühere, aber nicht mehr bestehende Mönchssiedlung zurückging. Urkundlich ist zumindest im 12. Jahrhundert eine Personengruppe "von Munichen" nachgewiesen. 

 

Die Hofstatt Althaim sowie die Mönchssiedlung (und ggf. eine kleines Dorf südlich der Kirche Sankt Jakob) sind somit der eigentlich Ursprung Münchens. 

 

Zwar wird Heinrich der Löwe häufig als einziger Gründervater Münchens genannt, doch handelte er ganz bestimmt nicht alleine - zwei seiner wichtigsten Mitstreiter waren Pfalzgraf Otto I. von Wittelsbach und Abt Wibald.

 

Verbindlich verbrieft ist, dass Bischof Otto von Freising nicht begeistert war, dass der Marktzoll nicht mehr an ihn sondern nun an Herzog Heinrich ging. Otto's Problem war nur, dass sein Marktrecht in Feringa zwar auf einem Jahrhunderte alten Gewohnheitsrecht basierte, aber nie von einem Kaiser schriftlich bestätigt wurde und somit nicht urkundlich belegbar war.

 

Bischof Otto protestierte dennoch bei seinem Neffen, Kaiser Barbarossa. Am 14. Juni 1158 auf dem Pfingst-Hoftag in Augsburg, wo sich die deutschen Fürsten zu einem Feldzug gegen Mailand sammelten, wurde die Streitigkeit durch Vergleich einvernehmlich beigelegt. Das Urteil von Barbarossa (festgehalten im Augsburger Schied) fiel zugunsten seinem "hochedlem Vetter", Heinrich des Löwen und nicht zu Gunsten seinem "teuersten Oheim", Onkel Otto aus. Die Verlegung von Münze, Markt, Zoll und Brücke wurde bestätigt, dem Freisinger Bischof wurde jedoch ein Drittel der Einnahmen als Entschädigung zugesprochen. Dies war ein Kompromiss mit dem alle Beteiligten zufrieden sein konnten.

 

 

Die Siedlung der Gefolgsleuten des Grafen von Andechs 

(gelbe Markierung / am heutigen Altheimer-Eck, nahe der heutigen Hofstatt-Einkaufspassage) bestand vor der Gründung Münchens 1156

 

Bei der heutigen Michaelskirche war die Nikolauskapelle und ggf. eine Mönchssiedlung vom Kloster Schäftlarn (rote Markierung) und am Petersbergl stand damals schon eine kleine Kirche (blaue Markierung).

 

Bereits bei der Gründung der villa Munichen wurden nicht nur das Porta Inferior (spätere Talbrucktor, heutiger Alte Rathausturm), sowie das Porta Superior, sondern auch die drei anfänglich eher unbedeutenden Tore (eins im Süden und zwei Norden) geplant. 

 

Zur Bestimmung aller Tore ließ Wibald Seile spannen um eine einheitliche Entfernung vom Schrannenplatz (heutigen Marienplatz) zu gewährleisten.

 

Nordöstlich ließ sich Heinrich der Löwe vermutlich ein steineres Haus, die sog. Heinrichsburg (der spätere Alte Hof) erbauen.

 

Rekonstruktion der ersten Entwicklungsphase (nach Oestreich ergänzt durch Schleich und modifiziert vom Munichkindl, 2014)

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